Bussen-Einbusse

4 Jul

An der Gemeindeversammlung von vergangener Woche konnte Gemeindekommissionssprecher Rolf Plattner einen hübschen Lacher verbuchen. Beim Kommentar zu den soliden Gemeindefinanzen verwies er mit ernster Miene auf den “Einbruch” bei den Busseneinnahmen.

Bussen
Statt den budgetierten 28’000 konnte der Gemeindepolizist nur Bussen über 13’200 verteilen. Wir können das verkraften, meinte Plattner und erntete zustimmende Heiterkeit im Saal.

In diesem Sinne: Schöne und lange Ferien, nicht nur, aber vor allem auch für den Dorfpolizisten!

 

Bonschur und Helou

3 Jul

Heute ist der letzte Baselbieter Primarschultag ohne Frühenglisch. Nach den Sommerferien beginnt das Zeitalter der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Das bedeutet, dass man den Kindern, die in der dritten und vierten Primar kaum ein Wort Französisch gelernt haben, in der fünften Klasse auch noch Englisch um die Ohren schlägt.

Diesem Konzept liegt die Mär von den Kinderlein zugrunde, die jede Sprache im Schlaf erlernen – eine fatale bildungsdidaktische Fehlüberlegung. Zwar stimmt es schon, dass Kinder einfach Sprachen lernen. Allerdings nur, wenn sie permanent mit der Zielsprache konfrontiert sind und die sog. Immersion einsetzt. Bei zwei Wochenstunden Frühfremdsprache passiert hingegen gar nichts, ausser einer punktuellen Stimulation mit äusserst bescheidenem Lernerfolg.

Frühfremdsprachen sind deshalb eine auf schiefen pädagogischen Erkenntnissen beruhende Fehlinvestition. Heute gilt es als erwiesen, dass es für den Lernerfolg am Ende der Schulzeit vollkommen unerheblich ist, wann mit dem Sprachunterricht eingesetzt wurde. Ein späterer Beginn mit einer höheren Wochenstundenzahl wäre sogar deutlich effizienter.

Im Kanton Baselland kommt erschwerend hinzu, dass mit „Mille Feuilles“ ein Lehrmittel zum Einsatz kommt, das diesen Namen schlicht nicht verdient. Es ist so neu und revolutionär, dass den Eltern eine sechzehnseitige Broschüre verabreicht werden muss, um sie auf den ersten Schock vorzubereiten.

Kernbotschaft: Ihr Kind wird nichts lernen, denn lernen war gestern. Heute wird nur noch immersiv gebadet. Und falls Ihr Kind wider Erwarten dennoch einmal ein Wort aufschnappen sollte: Bitte nicht korrigieren, denn auch das ist ganz schlimm. Fehler gelten heute als positiver Ausdruck von Mut und Selbstkompetenz. Ein Grundsatz übrigens, den die Bildungstheoretiker vor allem für sich selber zu reklamieren scheinen.

Nun warten wir gespannt, bis aus der Ecke der Lehrmittel-Experimente auch das Ende des Einmaleins-Paukens ausgerufen wird. Denn das präzise Rechnen ist sicher auch eine Gefahr für die kindliche Entwicklung. Immer nur Resultate zu liefern hemmt doch die Kreativität. Lassen wir die Kinder stattdessen die Zahlen positiv erleben, in dem sie mit ihnen tanzen und jonglieren, ohne sie zu verstehen.

Schliesslich werden unsere Kantonsfinanzen seit Jahren nach diesem Konzept verwaltet.

(Kolumne in der Basler Zeitung vom 4.7.2014, BAZ01-0407-016)

 

 

Sixpack

26 Jun

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Gemeindeversammlung trotz WM und schönem Wetter und nur einem Haupttraktandum: Rechnung 2013. Gemeinderat Lukas Stückelberger präsentiert die solide Finanzlage des Domdorfs (Aufwandüberschuss von rund 200’000 trotz nicht budgetierten Rückstellungen für die BLPK von 800’000).

Beim Thema Finanzausgleich bleibt er anständig und sachlich. Aber der Ärger ist zwischen den Zeilen deutlich hörbar: Arlesheim bezahlt 6.3 Millionen in den Finanzausgleich.

DAS SIND 20% DER STEUERERTRÄGE NATÜRLICHER PERSONEN.

DAS SIND 17% DER GESAMTEN AUSGABEN.

DAS KANN SO NICHT WEITERGEHEN.

Die horrenden Ausgleichszahlungen sorgen im Sall für Kopfschütteln, Verärgerung und rote Köpfe. Rolf Plattner, Sprecher der Gemeindekommission, bringt es auf den Punkt:

“Wir finanzieren ein halbes Schulhaus oder einen ganzen Kultursaal. Jedes Jahr. Aber nicht für uns”

Oder anders gesagt: “Der Finanzausgleich ist wie ein Sixpack Bier: Kaufst Du Dir sechs Flaschen, ist eine davon bereits in Liestal”. 

Sagt darauf der Sitznachbar: “Jetzt wird mir auch klar, weshalb es in Liestal soviele Flaschen hat”.

Kleine Ergänzung: 20% den Steuereinnahmen natürlicher Personen für den Finanzausgleich. Das tönt auf den ersten Blick nicht so schlecht. Bleiben ja immer noch 80% für die Gemeinde. Das Elend ist nur, dass Baselland ein derart zentralistischer Kanton ist und 90% der Ausgaben einer Gemeinde von oben diktiert sind, sprich: Es handelt sich um gebundene Ausgaben.

Der finanzielle Spielraum für Arlesheim, eine der steuerstärksten Gemeinden, ist aufgrund der fatalen Kombination zwischen übertriebenem Zentralismus und verfehltem Finanzausgleich minimal.

Das unsägliche, bedarfsunabhängige und sozialistische, aber von freisinnigen erfundene und schweizweit einmalige System des Finanzausgleichs hemmt finanzstarke Gemeinden wie Arlesheim massiv in ihrer Entwicklung.

Das führt im Ergebnis dazu, dass alle verlieren, auch die Nehmergemeinden.

Ja. Selbstverständlich.

6 Jun

Wenn es nach den aktuellen Prognosen der Buchmacher und Polit-Auguren geht, wird die Fusionsinitiative vom Stimmvolk bachab geschickt werden. Begründung: Es sei in der breiten Bevölkerung kein erkennbares Ja-Lager auszumachen.

Allein deshalb auf ein Nein zu wetten, könnte allerdings arg ins Auge gehen. Zwar scheint die Prüfung einer Fusion der beiden Basel bei potentiellen Befürwortern tatsächlich keine grossen Begeisterungsstürme auszulösen. Zumindest ist nicht zu erwarten, dass sie bis zur Abstimmung am 28. September 2014 noch Fusionsbäume pflanzen, Lieder anstimmen, ihre Autos mit Klebern vollpflastern und sich in Trachten stürzen.

Aber, mal ehrlich: Das ist doch ganz gut so. Denn Emotionen sind ohnehin ein schlechter Ratgeber, wenn es um eine so wichtige Frage wie die Zukunft der Region Basel geht.

Viele Baselbieterinnen und Baselbieter dürften sich deshalb ohne grosses Aufsehen und in aller Gelassenheit für ein Ja entscheiden. Sie bilden den pragmatischen Block zwischen den unkritischen Fusionsturbos und den strammen Isolationisten.

Diesem pragmatischen Ja liegt die nüchterne Erkenntnis zu Grunde, dass ein Zusammenschluss von zwei Organisationen oder Gemeinwesen grundsätzlich Sinn machen kann, wenn man es richtig anpackt. Richtig anpacken – das heisst vor allem, dass der Prozess von Anfang an auf die Erzielung eines Mehrwerts ausgerichtet werden muss. Unter dem Strich muss ein Fusionsgewinn in Form von Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen oder gesteigerter Marktmacht resultieren, sonst macht die Übung keinen Sinn.

Ob das möglich ist, weiss heute niemand. Mit einem emotionslosen Ja zur Fusionsinitiative sollen diese Fakten in Erfahrung gebracht und ein Verfassungsprojekt ausgearbeitet werden, das dann in einer zweiten Abstimmung verabschiedet oder verworfen werden kann.

Ein Ja ist also noch kein Ja zur Fusion, sondern ein Ja zur Prüfung einer dynamischen Zukunft unseres Kantons. Ein Nein zum jetzigen Zeitpunkt ist hingegen ein aktives Bekenntnis zum Stillstand. Und Stillstand darf nicht die Zukunftsvision des Baselbiets sein.

Die Offenheit gegenüber Visionen, Veränderungen und Weiterentwicklungen entspringt einem ursprünglich liberalen Verständnis, weshalb für mich als überzeugter Liberaler die Prüfung einer Fusion der beiden Basel eine Selbstverständlichkeit ist.

Nicht mehr und nicht weniger.

(erschienen als Kolumne in der Basler Zeitung vom 6.6.2014)

Die Frischluft geht in die Offensive

26 Mai

Die Frischluft war bekanntlich noch nie verlegen, wenn es um selbstbewusste Kampagnen ging. Deshalb überrascht auch der neuste Slogan für ihren Gemeindepräsidenten Kalle Zeller wenig.

Kalle für allle

Wie nun aber die ziemlich in die Jahre gekommene Ortspartei (sorry: Orstkulturelleundgesellschaftlichegruppierung) endlich wieder jüngeres Publikum ansprechen möchte, überrascht dann doch auch intime Kenner der Arlesheimer Politszene:

Kung Kalle

Stillstand ist keine Option

23 Mai

Man hat ja schliesslich nicht jeden Tag die Gelegenheit, sich im Kantonsparlament zu einer historischen Frage wie der Kantonsfusion zu äussern. Deshalb nachfolgend meine Sprechnotizen:

 

Landratssitzung vom 22.5.2015, Kurzvotum von Balz Stückelberger, FDP Fraktion

Sehr geehrte Frau Landratspräsidentin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Ich bin heute nicht nur Einzelsprecher, sondern auch einziger Sprecher der FDP Fraktion, der einer Fusionsidee offen gegenübersteht. In der FDP Baselland sind die Mehrheitsverhältnisse etwas weniger deutlich. Zwar lehnt gemäss einer Konsultativabstimmung eine Mehrheit die Fusionsinitiative ab. Eine beachtliche Minderheit steht der Initiative allerdings wohlwollend gegenüber, weshalb ich mir erlaube, an dieser Stelle die entsprechende Haltung zu vertreten.

Natürlich verstehe ich, dass das Projekt einer Kantonsfusion grosse Emotionen weckt, hüben wie drüben. Doch Emotionen sind ein schlechter Ratgeber, wenn es darum geht, eine derart weitreichende Entscheidung zu treffen.

Sowohl die blinden „Fusionsturbos“ als auch die tapferen „Siebedupf-Chauvinisten“ lassen sich primär von Emotionen leiten und weniger von sachlichen Argumenten. Ich bin überzeugt, dass zwischen diesen beiden Extrempositionen Raum für eine pragmatische Sichtweise bleibt; eine Sichtweise, wie ich sie vertrete, und die im Übrigen auch von den bikantonalen Wirtschaftsverbänden sowie von einigen grossen, global ausgerichteten Unternehmen getragen wird.

Es dürfte unbestritten sein, dass ein Zusammengehen von Organisationen oder Gemeinwesen grundsätzlich sinnvoll sein kann – mit der Betonung auf „kann“. Denn – und hier unterscheide ich mich von den Fusionsturbos – eine Fusion muss zwingend einen Mehrwert bringen, sonst macht sie keinen Sinn. Sie muss also eine „Fusionsdividende“ abwerfen, z.B. in Form von Effizienzgewinnen, Kosteneinsparungen oder einer erhöhten Marktmacht.

Ich erwarte, dass bei Annahme der Initiative oder des Gegenvorschlages die Arbeiten mit dem Fokus auf eine maximale Fusionsdividende aufgenommen werden. Heute wissen wir nicht, ob sich solche positiven Effekte erzielen lassen. Befürworter und Gegner sind zwar überzeugt, dass sie die Antwort bereits kennen. Um die Fakten wirklich in Erfahrung zu bringen, muss aber dieser erste Schritt der Fusionsprüfung gegangen werden.

Lehnen wir aber bereits diesen Schritt ab, vergeben wir uns und damit dem Baselbiet eine grosse Chance. Ein Nein zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Bekenntnis zum Stillstand, und Stillstand darf nicht die Zukunftsvision meines Baselbiets sein. Ein Ja hingegen ist noch kein Ja zur Fusion, sondern ein Ja zur Prüfung einer dynamischen Zukunft unseres Kantons. Ich empfehle deshalb, sowohl der Initiative als auch dem Gegenvorschlag zuzustimmen.

Zum Schluss noch ein Wort zu unserer Regierung und allen anderen, die nun plötzlich das hohe Lied der Zusammenarbeit mit Basel-Stadt singen, weil sie meinen, damit das Thema Fusion umschiffen zu können. Die Absicht ist zwar löblich, allein – mir fehlt der Glaube. Wir haben in letzter Zeit in diesem Saal viele Beispiele erlebt, die nicht gerade auf einen unbändigen Zusammenarbeitswillen schliessen lassen. Ich erinnere nur daran, dass unsere Regierung auf mehreren Seiten begründet hat, weshalb eine Fusion der statistischen Ämter der beiden Halbkantone auf keinen Fall denkbar und unbedingt abzulehnen sei. Offensichtlich braucht es tatsächlich eine Fusionsinitiative, damit sich alle einen Ruck geben und wir tatsächlich einen grossen Schritt weiterkommen.

Grillieren mit Thomy

19 Mai

Die NZZ am Sonntag vom vergangenen Wochenende hat eine Reisebeilage zum Thema “Barbecue im Grünen” mitgeliefert. Eine dieser Grillreisen soll ins “Städtchen Arlesheim” führen, wo es in der romantischen und besinnlichen Ermitage sogar einen “Teich” haben soll.

Dieser Aufmacher tönt schon mal vielversprechend. Der angegebene Link führt dann direkt auf eine Grill-Website der ehemaligen Basler Firma Thomy (heute Nestlé), die mit bemerkenswerten Tipps aufwartet.

Zwischenbemerkung für alle, die nicht mit dem Glück gesegnet sind, im “Städtchen am Teich” wohnen zu dürfen: In der unter Denkmalschutz stehenden Ermitage ist eigentlich alles verboten, ausser Lustwandeln, und auch das am liebsten nur sehr zurückhaltend. Namentlich gilt ein absolutes Verbot für Biker sowie ein Feuer- und Grillverbot. Und ein flächendeckender Leinenzwang.

In dieser Ermitage also wimmelt es nur so von kleinen und grossen Feuerstellen, frohlockt Thomy. Man darf auch gut und gerne mit dem Auto kommen und den Hund mitbringen. Und für Tische und Bänke ist auch gesorgt. Tönt nach perfektem Grillgaudi.

Der absolute Knüller ist gemäss Thomy aber die überdachte, rollstuhlgängige und mit dem Kinderwagen erreichbare Grillstelle auf dem Bild unten: Der Temple Rustique, mit Altar und Zugang zur Prosperpinagrotte.

Wahrscheinlich gibt es nur weniger Orte auf dieser Welt, wo es verbotener und unpassender ist, eine Wurst zu bräteln. Mit oder ohne Thomy-Senf.

Immerhin haben die Thomy-Touristiker darauf verzichtet, das Schilfdach als Anfeuerhilfe zu preisen.

ermitage

Auch sprachlich ziemlich misslungen: Grilltipps für die Ermitage.

 

 

Surfen im Schwimmbad

17 Mai

Zwei Drittel aller Besucher des Schwimmbads Arlesheim kommen, um sich eine Abkühlung zu gönnen, fanden Marktforscher heraus. Eine banale Erkenntnis, die aber unweigerlich zur interessanten Frage führt, was denn die übrigen Besucher im Schwimmbad zu suchen haben.

Offenbar finden nicht wenige den Weg ins Hagebuchen-Bad, um einfach nur die Lido-Atmosphäre rund um den Restaurantionsbereich mit Blick auf die Wasseranlagen und den Park mit altem Baumbestand zu geniessen. Um diesem Besuchersegment einen zeitgemässen Service zu bieten, hat der Bademeister vor Jahren eigenhändig einen WLAN-Router in Betrieb genommen – und diesen dann auch gleich wieder abgestellt, nachdem eine Strahlenschutzgruppe mit direktem Kontakt in den Gemeinderat Druck gemacht hatte.

Die Geschichte sorgte im Sommer 2011 bei Stammgästen für Aufregung und schaffte es sogar in die überregionalen Medien. Der Entscheid, das Schwimmbad als WLAN-freie Zone zu betreiben, sei nicht definitiv, sagte damals der Bauverwalter.

Und siehe da: offensichtlich hat seit der Neuwahl des Gemeinderats ein Sinneswandel stattgefunden. Nur so ist zu erklären, dass seit der Eröffnung am 10. Mai ein leistungsstarker WLAN-Sender über dem Schwimmbi-Restaurant tront, der nicht den Eindruck eines Provisoriums erweckt.

Mit dieser kleinen, aber äussert willkommenen Innovation hat der neue Schwimmbadminister Markus Eigenmann das traditionelle Gartenbad an die Realitäten und Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts angeschlossen.

Schimmbad 2.0: In Arlesheim darf ab sofort gesurft werden

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