Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären in der Dorfpolitik aktiv.
Nicht, weil Sie nichts Besseres zu tun hätten. Aber irgendwie ist es Ihnen nicht egal, was in Ihrer Wohngemeinde so läuft. Und jemand muss diesen Job ja machen.
Also organisieren Sie Parteiversammlungen, helfen bei Wahlkämpfen, arbeiten in Fachkommissionen und backen Kuchen für den Stand am Dorffest. Während Ihre Kollegen Champions-League schauen, beraten Sie in einem stickigen Gemeindesaal über die Zonenplanrevision. Und auch den Grillabend mit der Familie verpassen Sie, weil Sie sich an der Gemeindeversammlung in eine hitzige Debatte zum Kanalisationsreglement einmischen. Ihre freien Abende gehen drauf für Leserbrief-, Protokoll- oder Bettelbrief-Schreiben, und der Einkauf am Samstagmorgen dauert doppelt so lange, weil sie von besorgten Bürgern auf einen gefährlichen Fussgängerstreifen angesprochen werden.
Lohn, Lob oder Dank für das alles? Fehlanzeige. Nur Ihre Mutter ist stolz auf Sie. Ihre Bürokollegen hingegen lassen süffisant durchblicken, dass ihr politisches Interesse eher den globalen Zusammenhängen gilt.
Solche Bemerkungen lassen Sie kalt, weil Sie längst erkannt haben, dass Sie nirgendwo so viel und so unmittelbar bewegen können wie auf Gemeindeebene. Den immensen Einsatz empfinden Sie nicht als Belastung, weil Sie ein gutes Team um sich haben, bei dem der Spass und das Bier nach getaner Arbeit nicht zu kurz kommen.
Einzig die Parteifinanzen bereiten Ihnen Kopfzerbrechen, weil die Mitgliederbeiträge nicht einmal die laufenden Aktivitäten decken. Doch auch da haben Sie Glück, weil ein lokaler Unternehmer Ihrer Partei – in Anerkennung ihres Einsatzes für das Dorf - tausend Franken spendet. Und ein Freund, der aus Zeitmangel nicht aktiv politisieren kann, stopft dafür das Loch in der Wahlkampfkasse.
Läuft also alles bestens, oder?
Ganz und gar nicht, finden die Jungsozialisten. Nach Juso-Verständnis werden Sie mit diesen Spenden zu einem Demokratie-Feind, zu einer widerlichen Marionette dubioser Hintermänner; zu einem, der ein System aufbaut, das es sonst nur noch in Tuvalu gibt. Ihre Spender gehören an den Pranger gestellt, und Ihre Vereinskasse wird ab sofort von einer Transparenz-Behörde überwacht.
Das erscheint Ihnen alles etwas übertrieben? Dann stimmen Sie am 9. Juni 2013 doch bitte Nein zur Transparenz-Initiative der Jusos!
(BaZ-Kolumne vom 3.5.2013: BaZ_3_5_2013 )




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