ABB Areal: Go oder No?

Arlesheim hat ein Sorgenkind, das seit Jahren und Jahrzehnten für Kopfzerbrechen sorgt, nicht nur im Domdorf, sondern vor allem auch beim Kanton Baselland: Das ABB-Areal, seines Zeichens gemäss Richtplanung ein Wirtschaftsgebiet von kantonaler Bedeutung und Nr. 3 auf der Top-Prioritätenliste der Wirtschaftsoffensive Baselland. Ein Hotspot also, dem eine glanzvolle Zukunft vorausgesagt wird.

Aufgrund seiner Lage und der idealen Verkehrsanbindung ist es prädestiniert für hochwertige Entwicklungsprojekte mit zahlreichen und qualifizierten Arbeitsplätzen und entsprechendem Steuerertrag, auf den nicht nur der Kanton so sehnlich wartet.

Die Erwartungen sind also hoch, der Druck auch. Es muss endlich etwas passieren. Denn der aktuelle Zustand ist erbärmlich: Das Areal besteht heute mehrheitlich aus zwischengenutzten Brachen und leerstehenden Hallen. Bisher mangelte es an Ideen, vor allem aber auch an Investoren.

Nun scheint aber doch etwas Bewegung in die ganze Geschichte zu kommen, und der bei solchen Projekten notwendige “erste Schritt” scheint in Reichweite.

Hinter dem Projekt “Uptown Basel – Technologiecluster Schoren Arlesheim” stehen innovative Macher und – fast noch wichtiger – interessierte Investoren. Gleichzeitig hat sich in jüngster Zeit auch eine Veränderung in der Eigentümerschaft des angrenzenden “Stöckli”-Areals ergeben. Auch da stehen mittlerweile potente Investoren in den Startlöchern, die das Gebiet entwickeln wollen und können.

Insgesamt geht es bei den beiden Projekten um knapp 100’000 Quadratmeter. Ein riesen Ding also für Arlesheim und für den Kanton.

Soweit, so gut. Aber leider ist das nicht das Ende der Geschichte.

Denn gleichzeitig  kommt nun die Gemeinde Arlesheim mit einer Zonenplanrevision, die in den kommenden Monaten die politischen Diskussionen im Dorf bestimmen wird, weil sie neben der eigentlichen und unbestrittenen neuen Zoneneinteilung im Wohngebiet auch gravierende Eingriffe in die private Gartengestaltung enthält. Doch das sind nur Nebenschauplätze, gemessen an der Bedeutung der Zonenplanung für die Entwicklung der Wirtschaftsgebiete im Tal resp. auf dem ABB-Areal.

Allein schon ein Blick auf die Vernehmlassungsantworten zur Zonenplanrevision  zeigt, dass sich ein gröberes Problem abzeichnet. Zwischen den Zeilen der wohlformulierten Stellungnahmen der hinter den beiden Entwicklungsprojekten stehenden Unternehmen ist zu lesen: Beide Projekte sind akut gefährdet mit den neuen Bestimmungen.

Kritisiert wird vor allem die unmögliche Bauhöhenlinie, die stufenartig mitten durch die Grundstücke verläuft und eine sinnvolle Gestaltung der Baukörper verunmöglicht. Zudem führt die völlig übertriebene Pflicht zur Umgebungsgestaltung dazu, dass die beiden Investoren zusammen rund 500 (in Worten: fünfhundert!) Bäume pflanzen müssten. Und schliesslich dürfte das Verbot der oberirdischen Parkierung als ultimativer Investitionskiller durchschlagen.

Nun darf man gespannt sein, wie der Gemeinderat die Situation beurteilt und auf die Kritik reagiert.

Letztendlich geht es um eine Grundsatzfrage, wie sie in Arlesheim nur alle paar Jahrzehnte zu entscheiden ist: Soll die Entwicklung des Wirtschaftsgebiets im Tal-Nord endlich vorangetrieben oder aber auf weitere 30 Jahre verunmöglicht werden?

Das ideale Dorf mit Sitzbänken aus Edelstahl

Ich muss vorausschicken, dass ich vielleicht nicht ganz objektiv bin, wenn ich über Arlesheim schreibe. Denn ich lebe hier und schätze sehr vieles an Arlesheim.

Eigentlich alles.

Deshalb zitiere ich lieber die 99.6% der Arlesheimerinnen und Arlesheimer, die bei der letzten Baselbieter Gemeindebefragung angaben, dass sie gerne oder sehr gerne im Domdorf wohnen.

Vielleicht, weil Arlesheim einzigartig gelegen ist: Keine Vorortsgemeinde, aber auch keine Landgemeinde, sondern eine Gemeinde mit ländlichem Charme und urbaner Orientierung. Auf dem Biomarkt bei der Bäuerin ein Holzofenbrot kaufen und fünfzehn Minuten später im trendigen Sushi-Lokal im Zentrum von Basel stehen – das geht nicht überall.

Vielleicht ist es aber auch, weil man in Arlesheim in der Vergangenheit sehr vieles richtig gemacht hat, vor allem in der Raumplanung. Deshalb haben wir keine Hauptstrasse im Dorf, sondern eine lebendige Begegnungszone.

Der hohe Wohlfühlfaktor rührt aber sicher auch daher, dass es einfach schön ist hier. Schön, weil sich viele hübsche Details summieren. Zum Beispiel, dass die neuen Sitzbänke aus gebürstetem Edelstahl mit edler Holzbelattung sind. Natürlich kosten die dreimal so viel wie eine herkömmliche Bank. Aber in Arlesheim leistet man sich das. Nicht, weil man im Geld schwimmt, sondern weil man die Dinge gerne richtig macht und eine geschickte Finanzplanung betreibt.

Und schliesslich herrscht in Arlesheim ein politisches Klima, von dem man andernorts nur träumen kann. Die Dorfpolitik ist seit Jahrzehnten von einem einfachen Grundsatz geprägt: Die Linke weiss, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst – dafür wissen die Bürgerlichen, dass es auch eine soziale, ökologische und kulturelle Verantwortung gibt.

Damit kommt man sehr weit. So weit, dass sich eigentlich alle wohl fühlen.

(als Kolumne in der BZ am 13.11.2015 erschienen, PDF: 20151113 BZ Kolumne)

 

Arlesheim öffnet Zivilschutzanlage für Asylsuchende

Heute Morgen gab’s den grossen Knaller in Arlesheim: Der Gemeinderat hat an einer Medienkonferenz mitgeteilt, dass das Domdorf rund 100 Plätze für Asylsuchende zur Verfügung stellt.

Und zwar ab sofort.

Die Zivilschutzanlage unter dem Curlingzentrum wird hochgefahren und als temporäre Dépendance des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ) in Basel durch den Bund betrieben. Die Asylsuchenden werden jeweils ca. einen bis zwei Monate in Arlesheim sein, bis die ersten Abklärungen getätigt sind und eine Zuweisung auf eine Gemeinde erfolgt. Vorerst ist ein befristeter Betrieb während sechs Monaten vorgesehen. Sollte sich im Sommer 2016 ein erneuter Bedarf abzeichnen, ist eine zweite, sechsmonatige Phase möglich. Danach ist Schluss – so der Gemeinderat.

Offensichtlich wurde Arlesheim durch den Bund angefragt, ob die Zivilschutzanlage in Betrieb genommen werden könne, so wie damals Ende der achtziger Jahre während der Balkan-Kriege. Im Unterschied dazu werden die Asylsuchenden aber nicht durch Zivilschützer und Freiwillige aus dem Dorf betreut, sondern durch die Firma ORS, die im Auftrag des Bundes agiert.

Und was sagt man dazu in Arlesheim?

Darauf darf man gespannt sein. Wobei: eigentlich kann man dazu gar nichts sagen. Denn es handelt sich um einen Entscheid, der in der Kompetenz des Gemeinderats liegt. Natürlich wird man im Dorf nicht in Jubel ausbrechen. Aber: Ganz unabhängig von den Diskussionen um Asylrecht und Flüchtlingspolitik gibt es Herausforderungen, die Sofortmassnahmen erfordern. Es ist ein Faktum, dass der derzeitige Zustrom an Asylsuchenden die Kapazitäten im EVZ in Basel sprengt. Deshalb ist das Angebot von Arlesheim als pragmatische Notmassnahme zu verstehen. Dass es sich um eine klar befristete Massnahme handelt und die Gemeinde während dieser Zeit keine zu betreuenden Asylsuchenden zugeteilt erhält und überdies eine Begleitgruppe aus der Bevölkerung eingesetzt werden soll, wird sich zweifellos positiv auf die Akzeptanz im Dorf auswirken. Oder kurz gesagt: Arlesheim leistet jetzt einen klar befristeten Beitrag zur Bewältigung einer ausserordentlichen Situation. Danach ist Schluss und der Kelch geht an eine andere Gemeinde.

InterGGA: Sturm auf die GGA Arlesheim

Die Reinacher Kabelnetzanbieterin InterGGA steht ordentlich im Wind. Der umstrittene Wechsel vom bisherigen Provider “Improware” zu Quickline ist zwar vollzogen. Das Nachspiel in der Politik und vor den Gerichten ging aber erst gerade so richtig los. Gleich in mehreren Gemeinden wurden Vorstösse eingereicht, um die Qickline-Party der InterGGA empfindlich zu stören. Sie zielen allesamt auf die Selbstbestimmung der Gemeinden resp. des Volks bei der Frage eines Providerwechsels. Über die Zulässigkeit und die Form solcher Vorstösse wird zur Zeit vor Gericht gestritten.

Besonders interessant ist die Situation in Arlesheim, wo nicht die Gemeinde selber an der InterGGA beteiligt ist, sondern die lokale Kabelnetzgenossenschaft “GGA Arlesheim”. Aus diesem Grund ist für die Skeptiker und Gegner der schönen neuen Quickline-Welt auf dem politischen Weg nichts zu holen. Der Gemeinderat oder die Gemeindeversammlung sind schlicht nicht zuständig.

Doch weshalb überhaupt den mühsamen Weg über die Politik wählen, wenn es auch direkt geht? – sagte sich eine Gruppe von Arlesheimern, die unter dem Namen „Unser Netz“ in den nächsten Tagen an die Öffentlichkeit treten wird.

Die Gruppe will direkt auf die GGA Arlesheim einwirken, indem sie mit den Genossenschaftern Kontakt aufnimmt. Zudem – so ist im Dorf zu hören – empfiehlt sie die Mitgliedschaft bei der GGA Arlesheim, um selber und urdemokratisch so wichtige Themen wie die Providerwahl mitbestimmen zu können.

Bei einem Massenzulauf der Skeptiker und Unzufriedenen in die GGA Arlesheim könnte sich also schon bald ein weiteres Kapitel in der unendlichen und unsäglichen Geschichte der InterGGA und ihrem Providerwechsel auftun.

Wir sind Stadt!

Stadt ist dann, wenn 10’000 Menschen an einem Ort wohnen.

Arlesheim wird nie Stadt sein, weil der Gemeinderat eine obere Bevölkerungslimite von 9’000 verkündet hat, just unterhalb der Stadtgrenze also. 9’000 Arlesheimer sind genug, mehr lässt die Infrastruktur nicht zu. Und Arlesheim ist auch nicht für alle. Zudem hat es eh kein Land mehr. Arlesheim ist gebaut.

Und überhaupt: Wer will schon eine Stadt sein, mit all den städtischen Problemen.

Eine Stadt hat man lieber in der Nähe, als selber eine zu sein, sagt man sich in Arlesheim.  Man geniesst das Privileg, den Charme eines schmucken Dorfes mit der städtischen Denke seiner Bewohner zu vereinen. Eine Kombination, die in dieser Form vielleicht einmalig ist und die hohe Lebensqualität im Domdorf ausmacht.

Doch damit ist nun Schluss.

Arlesheim ist jetzt eine Stadt.

Das Bundesamt für Statistik hat an der Definition von Städten geschraubt. Die fixe Grenze von 10’000 Einwohnern taugt nicht mehr als Kriterium, seitdem durch Fusion von Kleinstweilern in abgelegenen Schattentälern plötzlich numerische Städte entstanden sind.

Neu wird eine Stadt aufgrund von Dichte- und Grössenkriterien bestimmt, in die z.B. auch die Arbeitsplätze einfliessen. Und plötzlich ist Arlesheim eine von 163 Städten der Schweiz. Noch vor Rorschach, Visp, Lenzburg, oder Chiasso. Chiasso!

Domstadt Arlesheim, mit der Ermitage als Stadtpark? Kalle Zeller als Stadtpräsident? Und unser Schwimmbi als städtische Badeanstalt? Und alles nur wegen den Zahlenspielereien einiger Bundesstatistiker?

Für Arlesheim ist der Upgrade zu einer Stadt ein Downgrade, auf das man dankend verzichtet.

30.2% – Herzlichen Dank!

Da hat sich aber einiges getan! Das Arlesheimer Ergebnis der Landratswahlen bildet zwar die meisten Veränderungen auf kantonaler Ebene ab. Allerdings fallen die Schiebungen im Parteiengefüge des Domdorfes teilweise wesentlich deutlicher aus.

Wie vor vier Jahren ist die FDP die stärkste Partei, die allerdings nochmals um über 1’100 Stimmen zulegen konnte. Sie kommt mittlerweile auf einen Wähleranteil von über 30%.

Nr. 2 ist die SP, die ebenfalls um über 500 Stimmen zulegen konnte und nun einen Wähleranteil von 21.6% hat.

Mit deutlichem Rückstand folgt die SVP, die sich mit einem leichten Stimmenrückgang und einem Wähleranteil von 12.2% begnügen muss.

Regelrecht eingebrochen sind die Grünen, die im Vergleich zu 2011 über 1’200 Stimmen verloren haben. Dieser Aderlass ist auf den “Leugger-Effekt” zurückzuführen – Urs Leugger, der ehemalige Frischluft-Präsident, der vor vier Jahren der grosse Stimmenbringer der Grünen war, in der Zwischenzeit aber zurückgetreten ist und nicht mehr zu Wahl stand.

Die CVP verzeichnet ebenfalls einen kleinen Rückgang von rund 200 Stimmen und liegt jetzt noch bei 11.4%. Hier galt es, die fehlenden Stimmen der nicht mehr kandidierenden Beatrice Herwig zu kompensieren, was nicht gelang und dennoch für einen Sitz reichte, der an Markus Dudler geht.

Die GLP kommt in Arlesheim weiterhin nicht vom Fleck.

Zum radikalen Kahlschlag kam es bei der BDP, die trotz Parteipräsidentin auf der Liste des Wahlkreises Münchenstein/Arlesheim mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verlor.

Und schliesslich legte die EVP auf tiefem Niveau etwas zu. Sie trat mit einer vollen Liste an, auf der auch die reformierte Pfarrerin Claudia Laager kandidierte, blieb aber meilenweit von einem Sitzgewinn entfernt.

Arlesheim gesamt_

So sieht das in Personen aus, und das ist jetzt auch der Moment für ein riesiges Dankeschön. Die 1’271 Stimmen freuen mich sehr. Sie zeigen einen breiten Rückhalt und motivieren mich für mein Engagement für Arlesheim. Herzlichen Dank!

Arlesheim Kandidaten

Der liberale Kuss

In diesen Tagen ist viel von liberalem Gedankengut die Rede. Jeder und jede will ein bisschen liberal sein, weil das irgendwie noch gut tönt, vor allem vor den Wahlen. Wie liberal ein Politiker allerdings wirklich ist, lässt sich an seinem smartvote-Profil ablesen. Dazu muss er oder sie einige Fragen beantworten, die dann ein Gesamtbild ergeben. Dieses zeigt auf, ob er liberal oder konservativ resp. links oder rechts oder – im Fall der Kandidaten der Mitteparteien – von allem ein bisschen ist.

In meinem Fall sieht das zum Beispiel so aus:

Smartspider 2015

Dieses Bild veranlasste die Zeitung “Schweiz am Sonntag” vom 14.12.2014 zur Feststellung, dass ich der liberalste aller bisherigen Landräte sei, die sich am 8.2.2015 der Wiederwahl stellen.

Die liberale Nagelprobe geht aber auch viel einfacher und ohne Beantwortung eines langen Fragenkatalogs: Was halten Sie zum Beispiel von folgender Werbung?

Adobe Photoshop PDF

Schockiert? Peinlich berührt? Entsetzt? Dann sind Sie möglicherweise eher in der konservativen Hälfte des Wertesystems zuhause.

Falls Sie auf diesem Bild aber einfach nur zwei küssende Männer sehen (“so what! Nicht mein Ding, aber wem’s gefällt: Bitteschön!”) und sich keine weiteren Gedanken dazu machen, dann könnte es sein, dass sie offen und tolerant gegenüber anderen Lebensformen sind und deshalb auch eine liberale Gesellschaftspolitik befürworten.

Demgegenüber hat die BLT mit dem Verbot dieser Plakate in ihren Trams eine intolerante und konservative Grundhaltung kundgetan, über die man aus liberaler Sicht nur den Kopf schütteln kann, und die so ganz und gar nicht zum modernen und dynamischen Erscheinungsbild des Baselbieter ÖV-Dienstleisters passt.

Das Prosit der Lehrerschaft

Im Domdorf zirkuliert derzeit eine Geschichte, die zu einer mittleren bis schweren Empörung bei vielen Eltern von Oberstufenschülerinnen und -Schülern geführt hat, und die noch die eine oder andere Frage nach sich ziehen wird. Der Schulstart ins neue Jahr am 5. Januar verlief nämlich nicht ganz nach Plan. Um elf standen die Kinder bereits wieder vor der Haustüre. Ohne Anküdigung nota bene, was gerade von berufstätigen Eltern besonders geschätzt wird.

In den Tagen danach verdichteten sich die Gerüchte über den Grund des frühen Schulschlusses. Die Oberstufenlehrerschaft versammelte sich zum Neujahrsapéro, während der Unterrichtszeit (sic!).

Das ist natürlich ein dicker Hund, der sogar noch ein bisschen dicker wird, wenn man weiss, dass am Tag nach dem fragwürdigen Apéro der Nachmittagsunterricht wegen dem Notenkonvent ausfiel. Warum, fragt man sich nun im Dorf, kann die Lehrerschaft ihren sehr wohl verdienten Apéro nicht rund um diesen Konvent legen? Und: Darf man eigentlich die Schule ausfallen lassen, um mit den Kollegen anzustossen?