Wir sind Stadt!

Stadt ist dann, wenn 10’000 Menschen an einem Ort wohnen.

Arlesheim wird nie Stadt sein, weil der Gemeinderat eine obere Bevölkerungslimite von 9’000 verkündet hat, just unterhalb der Stadtgrenze also. 9’000 Arlesheimer sind genug, mehr lässt die Infrastruktur nicht zu. Und Arlesheim ist auch nicht für alle. Zudem hat es eh kein Land mehr. Arlesheim ist gebaut.

Und überhaupt: Wer will schon eine Stadt sein, mit all den städtischen Problemen.

Eine Stadt hat man lieber in der Nähe, als selber eine zu sein, sagt man sich in Arlesheim.  Man geniesst das Privileg, den Charme eines schmucken Dorfes mit der städtischen Denke seiner Bewohner zu vereinen. Eine Kombination, die in dieser Form vielleicht einmalig ist und die hohe Lebensqualität im Domdorf ausmacht.

Doch damit ist nun Schluss.

Arlesheim ist jetzt eine Stadt.

Das Bundesamt für Statistik hat an der Definition von Städten geschraubt. Die fixe Grenze von 10’000 Einwohnern taugt nicht mehr als Kriterium, seitdem durch Fusion von Kleinstweilern in abgelegenen Schattentälern plötzlich numerische Städte entstanden sind.

Neu wird eine Stadt aufgrund von Dichte- und Grössenkriterien bestimmt, in die z.B. auch die Arbeitsplätze einfliessen. Und plötzlich ist Arlesheim eine von 163 Städten der Schweiz. Noch vor Rorschach, Visp, Lenzburg, oder Chiasso. Chiasso!

Domstadt Arlesheim, mit der Ermitage als Stadtpark? Kalle Zeller als Stadtpräsident? Und unser Schwimmbi als städtische Badeanstalt? Und alles nur wegen den Zahlenspielereien einiger Bundesstatistiker?

Für Arlesheim ist der Upgrade zu einer Stadt ein Downgrade, auf das man dankend verzichtet.

30.2% – Herzlichen Dank!

Da hat sich aber einiges getan! Das Arlesheimer Ergebnis der Landratswahlen bildet zwar die meisten Veränderungen auf kantonaler Ebene ab. Allerdings fallen die Schiebungen im Parteiengefüge des Domdorfes teilweise wesentlich deutlicher aus.

Wie vor vier Jahren ist die FDP die stärkste Partei, die allerdings nochmals um über 1’100 Stimmen zulegen konnte. Sie kommt mittlerweile auf einen Wähleranteil von über 30%.

Nr. 2 ist die SP, die ebenfalls um über 500 Stimmen zulegen konnte und nun einen Wähleranteil von 21.6% hat.

Mit deutlichem Rückstand folgt die SVP, die sich mit einem leichten Stimmenrückgang und einem Wähleranteil von 12.2% begnügen muss.

Regelrecht eingebrochen sind die Grünen, die im Vergleich zu 2011 über 1’200 Stimmen verloren haben. Dieser Aderlass ist auf den “Leugger-Effekt” zurückzuführen – Urs Leugger, der ehemalige Frischluft-Präsident, der vor vier Jahren der grosse Stimmenbringer der Grünen war, in der Zwischenzeit aber zurückgetreten ist und nicht mehr zu Wahl stand.

Die CVP verzeichnet ebenfalls einen kleinen Rückgang von rund 200 Stimmen und liegt jetzt noch bei 11.4%. Hier galt es, die fehlenden Stimmen der nicht mehr kandidierenden Beatrice Herwig zu kompensieren, was nicht gelang und dennoch für einen Sitz reichte, der an Markus Dudler geht.

Die GLP kommt in Arlesheim weiterhin nicht vom Fleck.

Zum radikalen Kahlschlag kam es bei der BDP, die trotz Parteipräsidentin auf der Liste des Wahlkreises Münchenstein/Arlesheim mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verlor.

Und schliesslich legte die EVP auf tiefem Niveau etwas zu. Sie trat mit einer vollen Liste an, auf der auch die reformierte Pfarrerin Claudia Laager kandidierte, blieb aber meilenweit von einem Sitzgewinn entfernt.

Arlesheim gesamt_

So sieht das in Personen aus, und das ist jetzt auch der Moment für ein riesiges Dankeschön. Die 1’271 Stimmen freuen mich sehr. Sie zeigen einen breiten Rückhalt und motivieren mich für mein Engagement für Arlesheim. Herzlichen Dank!

Arlesheim Kandidaten

Der liberale Kuss

In diesen Tagen ist viel von liberalem Gedankengut die Rede. Jeder und jede will ein bisschen liberal sein, weil das irgendwie noch gut tönt, vor allem vor den Wahlen. Wie liberal ein Politiker allerdings wirklich ist, lässt sich an seinem smartvote-Profil ablesen. Dazu muss er oder sie einige Fragen beantworten, die dann ein Gesamtbild ergeben. Dieses zeigt auf, ob er liberal oder konservativ resp. links oder rechts oder – im Fall der Kandidaten der Mitteparteien – von allem ein bisschen ist.

In meinem Fall sieht das zum Beispiel so aus:

Smartspider 2015

Dieses Bild veranlasste die Zeitung “Schweiz am Sonntag” vom 14.12.2014 zur Feststellung, dass ich der liberalste aller bisherigen Landräte sei, die sich am 8.2.2015 der Wiederwahl stellen.

Die liberale Nagelprobe geht aber auch viel einfacher und ohne Beantwortung eines langen Fragenkatalogs: Was halten Sie zum Beispiel von folgender Werbung?

Adobe Photoshop PDF

Schockiert? Peinlich berührt? Entsetzt? Dann sind Sie möglicherweise eher in der konservativen Hälfte des Wertesystems zuhause.

Falls Sie auf diesem Bild aber einfach nur zwei küssende Männer sehen (“so what! Nicht mein Ding, aber wem’s gefällt: Bitteschön!”) und sich keine weiteren Gedanken dazu machen, dann könnte es sein, dass sie offen und tolerant gegenüber anderen Lebensformen sind und deshalb auch eine liberale Gesellschaftspolitik befürworten.

Demgegenüber hat die BLT mit dem Verbot dieser Plakate in ihren Trams eine intolerante und konservative Grundhaltung kundgetan, über die man aus liberaler Sicht nur den Kopf schütteln kann, und die so ganz und gar nicht zum modernen und dynamischen Erscheinungsbild des Baselbieter ÖV-Dienstleisters passt.

Das Prosit der Lehrerschaft

Im Domdorf zirkuliert derzeit eine Geschichte, die zu einer mittleren bis schweren Empörung bei vielen Eltern von Oberstufenschülerinnen und -Schülern geführt hat, und die noch die eine oder andere Frage nach sich ziehen wird. Der Schulstart ins neue Jahr am 5. Januar verlief nämlich nicht ganz nach Plan. Um elf standen die Kinder bereits wieder vor der Haustüre. Ohne Anküdigung nota bene, was gerade von berufstätigen Eltern besonders geschätzt wird.

In den Tagen danach verdichteten sich die Gerüchte über den Grund des frühen Schulschlusses. Die Oberstufenlehrerschaft versammelte sich zum Neujahrsapéro, während der Unterrichtszeit (sic!).

Das ist natürlich ein dicker Hund, der sogar noch ein bisschen dicker wird, wenn man weiss, dass am Tag nach dem fragwürdigen Apéro der Nachmittagsunterricht wegen dem Notenkonvent ausfiel. Warum, fragt man sich nun im Dorf, kann die Lehrerschaft ihren sehr wohl verdienten Apéro nicht rund um diesen Konvent legen? Und: Darf man eigentlich die Schule ausfallen lassen, um mit den Kollegen anzustossen?

“Unser Jahr”

“Unser Gemeindepräsident” hat einen Hirtenbrief an alle Einwohnerinnen und Einwohner geschickt. Es soll vorwärts gehen mit Arlesheim, steht darin; allerdings nur, wenn wir alle ganz mutig sind.

Und das sind die mutigen Projekte, die das Domdorf gemäss dem präsidialen Schreiben vorwärts bringen werden: Zunächst natürlich “Unser Saal”, dann “Unser Hundewiesen-Tower” und schliesslich als Zugabe und weil es so schön ist: “Unser Radar”, der “Unsere Bussen” bringen wird.

Was auf der A4-Seite keinen Platz mehr fand, aber vielleicht den einen oder die andere auch noch interessiert: “Unsere Steuern” bleiben tief, weil “unsere Gemeindefinanzen” unter Kontrolle sind. Bleibt zu hoffen, dass “Euer Finanzausgleich” nicht wieder einen Strich durch unsere (Jahres-) Rechnung macht.

Der Chlaus wünscht sich mehr Nein

Es kommt ja nicht täglich vor, dass ein langjähriger und erfahrener Santichlaus in die Tasten haut und seine Eindrücke der vergangenen Tage an ein Weblog sendet. Genau das ist aber passiert, und deshalb wird dieser Gastbeitrag natürlich auch in voller Länge veröffentlicht. Soviel vorweg: Der Chlaus macht sich Sorgen um den Sitten-, Werte- und Familienzerfall und wünscht sich, Continue reading “Der Chlaus wünscht sich mehr Nein”

Warum es sich in Arlesheim so gut leben lässt?

…zum Beispiel, weil hier einfach vernünftige Menschen leben.

Arlesheim hat sowohl die ECOPOP als auch die Goldinitiative mit dem höchsten Neinstimmen-Anteil des ganzen Halbkantons Baselland verworfen.

Für ECOPOP waren nur gerade 17%, beim Gold waren es 16%.

Das ist beruhigend und macht einen nicht zu unterschätzenden Teil der Lebensqualität des Domdorfes aus.

Ein Dreizeiler!

Da hat sie doch tatsächlich einen Dreizeiler verschickt, die Baselbieter Regierung.

Darin schreibt sie, dass auch eine moderate Erhöhung des Beitrags an das Theater Basel kein Thema ist. Das ist eine schlechte und unverständliche, immerhin aber kurze und klare Botschaft.

Gut, man hätte sie begründen können, denn schliesslich handelt es sich um die Antwort auf das mehrere tausend Zeilen umfassende Subventionsgesuch des Theaters. Aber Kommunikation ist halt auch nur Ausdruck eines Stils.

Das wirklich Brisante an dieser Meldung steht dann aber auf der nächsten Zeile: Die Regierung nutzt diese Gelegenheit um kundzutun, dass sie die vertiefte Partnerschaft mit dem Stadtkanton fortan in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Infrastruktur sieht.

Nicht schlecht, könnte man meinen, wenn man nicht wüsste, dass in dieser Aufzählung die Kultur als fester Bestandteil der partnerschaftlichen Zusammenarbeit fehlt. Bisher galt es als unbestritten, dass Kulturförderung nur in einem regionalen Zusammenhang Sinn macht. Im Partnerschaftsbericht steht denn auch klar, dass sich die Baselbieter Kulturpolitik selbstbewusst, aber immer auf der Basis von längerfristigen Partnerschaften mit Basel-Stadt entwickeln soll. Auch das aktuelle Kulturleitbild sieht die enge Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt als Eckpfeiler der Kulturpolitik.

Dies alles soll nun relativiert oder gespült werden – wahrlich ein starkes Stück, das nicht nur einen Paradigmenwechsel in der Kulturpolitik darstellt, sondern auch die Verhandlungspartner in der Stadt vor den Kopf stossen dürfte.

Umso mehr interessieren die Gründe für diesen kulturpolitischen Rückwärtssalto. Die finanzielle Lage, mit der sich momentan im Baselbiet alles rechtfertigen lässt, zählt nicht als Argument. Denn sowohl die Partnerschafts- als auch die Kulturpolitik sind langfristig ausgelegt und dürfen nicht von Momentaufnahmen der finanziellen Situation geprägt sein.

Bleibt also die ernüchternde Erkenntnis, dass man der Kultur in den Partnerschaftsverhandlungen schlicht keine Bedeutung mehr beimisst. Und damit sind wir zum Kerngehalt des regierungsrätlichen Dreizeilers vorgestossen: Der Höhenfeuerkanton zieht sich auch kulturpolitisch in die Isolation und Selbstgefälligkeit zurück.

Das ist bitter und erbärmlich, aber leider derzeit mehrheitsfähig.

(Erschienen als Kolumne in der Basler Zeitung am 28.11.2014: 20141128Baz )