Sparbad

5 Sep

Wenn es einer Baselbieter Gemeinde so richtig dreckig geht und sie die sieben mageren Jahre ausrufen muss, dann geht sie bis ans Äusserste und stellt ihre Bevölkerung auf eine harte Probe: Sie schliesst das Hallenbad. Der Verzicht auf Schwimmhallen ist mittlerweile in vielen Gemeinden zum Sinnbild des rigorosen Sparkurses geworden. Und die stöpselziehenden Gemeindepräsidenten werden zu Buhmännern, weil sie die Bevölkerung in ihren elementaren Grundbedürfnissen beschneiden: Ganzjähriges Baden bei 27 Grad Wassertemperatur.

Die Lage ist so ernst, dass Landratskollege Marc Bürgi die Sicherstellung der flächendeckenden Hallenbadverfügbarkeit zur Aufgabe des in Finanznöten steckenden Kantons erklären will. Eine Forderung, die man irgendwo zwischen mutig und surreal einordnen muss. Denn Hallenbäder sind die Schuldenfalle Nr. 1 eines jeden Gemeinwesens. Es sind die teuersten Freizeitanlagen überhaupt. Neben mindestens 20 Millionen Franken Erstellungskosten kommen ruinöse Betriebskosten von 1.5 Millionen Franken pro Jahr hinzu. Das kann sich keine Gemeinde leisten.

Doch es sind nicht nur finanzielle Bedenken, die gegen den staatlichen Hallenbadespass sprechen. Die Frage muss auch erlaubt sein, woher der Anspruch auf ganzjähriges Planschen kommt. Es gibt ja schliesslich genügend Freibäder, in denen jedes Baselbieter Kind Schwimmen lernen kann. Offenbar sind diese aber nicht gut genug. An der Arlesheimer Schulen zum Beispiel findet der Schwimmunterricht praktisch ausschliesslich in den Herbst- und Wintermonaten statt, obschon wir ein wunderschönes Freibad haben. Stattdessen werden die Primarschüler wöchentlich im bequemen Reisecar für eine Schwimmlektion in das 2.3 Kilometer entfernte Hallenbad in Dornach chauffiert. Die Gemeinde lässt sich diesen Irrsinn mehrere zehntausend Franken pro Jahr kosten.

Vielleicht ist die aktuelle Diskussion über die Hallenbäder dringend notwendig, um wieder mal ein paar Dinge ins richtige Lot zu rücken: Schwimmen im Hallenbad ist kein Grundrecht und der Betrieb eines Hallenbades erst recht keine Staatsaufgabe.  Und: Schwimmen findet grundsätzlich im Sommer statt. Im Winter gibt es andere schöne Dinge. Selbstverständlich braucht es Lösungen für die Schwimmvereine. Wobei: Der Skiclub Reigoldswil hat meines Wissens auch keine Sommerskihalle zur Verfügung.

(Kolumne in der Basler Zeitung vom 5.9.2014)

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Teurer Spass oder Grundrecht? Baden in der Halle.

 

 

 

 

 

 

Wir sind Donnschtig-Jass!

14 Aug

Heute sind wir Arleser noch ein bisschen stolzer als sonst auf unser Dorf. Weil heute kommt das Fernsehen nach Arlesheim.

Es ist Donnschtig-Jass. Das ist eine Jass-Sendung, aber um das geht es ja überhaupt nicht. Es ist vor allem eine Live-Sendung direkt vom Domplatz, mit allem drum und dran.

Zur Kultivierung der Vorfreude gibt’s hier schon mal den Einspielfilm über Arlesheim: Darin wird kurz und bündig gezeigt, was Arlesheim ausmacht. Es ist schön hier, sehr sogar. Alle sind zufrieden. Und der Winzer produziert natürlich Bio-Wein.

Und, auch zu sehen: Eine total typische Szene aus der Ermitage, wie sie sich täglich ereignen könnte: Eine Gruppe Kinder, darunter ein paar ganz besondere Früchtchen (deren Identität an dieser Stelle keine Rolle spielt…) erkunden die Ermitage. Natürlich in Zweierkolonne, Hand in Hand, artig, rücksichtsvoll und freundlich. Wie sie halt sind, in Arlesheim…

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Liebe Froue und Manne

1 Aug

Immer pünktlich zum ersten August werden die Schweizerinnen und Schweizer aufgefordert, sich ganz grundsätzliche Gedanken zur Situation des Landes zu machen, weil scheinbar ganz grundsätzliche Fragen anstehen.

Dieser Aufruf ist zu einer derart inflationären Pflichtübung verkommen, dass ihm leider kaum noch jemand nachkommt, wenn es wirklich wichtig wäre: Jetzt zum Beispiel, wo sich unser Land tatsächlich an einem Wendepunkt befindet.

Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative werden wir voraussichtlich 2016 an der Urne den Grundsatzentscheid zum Verhältnis zu unseren Nachbarstaaten, unseren wichtigsten Handelspartnern und damit auch zu einer der wichtigsten Grundlagen der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes zu fällen haben.

Es wird dies die Gretchenfrage sein am logischen Kulminationspunkt einer Entwicklung, die sich in den letzten Jahren schleichend eingestellt hat.

Der Club Helvetique, ein Verbund von unabhängigen Denkern, bringt es in seinem Manifest auf den Punkt:

„Dabei hat die Schweiz in der Vorstellung einer Mehrheit ihrer Bürgerinnen und Bürger die Gestalt einer Insel angenommen, an deren Gestade alle möglichen Übel der Welt anbranden und sie zu vergiften drohen. Sie ist im Begriff, sich ein einen verstockten Nationalismus, eine neue Kleingeistigkeit und eine gefährliche Weltfremdheit zurückzuziehen. […] Die Schweiz ist engstirniger und ihrer humanistischen Tradition untreu geworden.“

Deshalb steht nun die schicksalshafte, aber unvermeidliche Entscheidung an, ob wir an der Scheuklappenschweiz festhalten, oder ob wir uns auf die Tradition einer offenen und humanistisch-humanitären Schweiz zurückbesinnen.

Es geht also tatsächlich um die grundsätzliche Frage, welche Schweiz wir wollen. Halten wir an der rückwärtsgerichteten und konservativen Heimatverherrlichung fest, oder besinnen wir uns auf ein ursprünglich liberales Konzept, das Zusammenarbeit und Offenheit gegenüber Veränderungen als Voraussetzung für die notwendige Erneuerung vorsieht?

Auf kantonaler Ebene wird es bei der anstehenden Abstimmung über die Fusionsprüfung um eine ähnlich fundamentale Entscheidung gehen. Auch hier spitzt sich die Debatte auf eine Grundsatzentscheidung zwischen Scheuklappenpolitik und einer Politik der Offenheit zu. Die Gegner kultivieren ein Bild der Abschottung und der trügerischen Selbstzufriedenheit. Den Befürwortern geht es hingegen um die Evaluation einer Option, die das Potential hat, festgefahrene Strukturen aufzubrechen und einer neuen Dynamik und einem neuen Denken für die Region Schub zu verleihen.

Das Plebiszit vom 28. September 2014 wird damit zu einem Gradmesser der Erneuerungs- und Zukunftsfähigkeit unserer Region.

Aus liberaler Optik müsste die Entscheidung eigentlich klar sein.

Bussen-Einbusse

4 Jul

An der Gemeindeversammlung von vergangener Woche konnte Gemeindekommissionssprecher Rolf Plattner einen hübschen Lacher verbuchen. Beim Kommentar zu den soliden Gemeindefinanzen verwies er mit ernster Miene auf den “Einbruch” bei den Busseneinnahmen.

Bussen
Statt den budgetierten 28’000 konnte der Gemeindepolizist nur Bussen über 13’200 verteilen. Wir können das verkraften, meinte Plattner und erntete zustimmende Heiterkeit im Saal.

In diesem Sinne: Schöne und lange Ferien, nicht nur, aber vor allem auch für den Dorfpolizisten!

 

Bonschur und Helou

3 Jul

Heute ist der letzte Baselbieter Primarschultag ohne Frühenglisch. Nach den Sommerferien beginnt das Zeitalter der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Das bedeutet, dass man den Kindern, die in der dritten und vierten Primar kaum ein Wort Französisch gelernt haben, in der fünften Klasse auch noch Englisch um die Ohren schlägt.

Diesem Konzept liegt die Mär von den Kinderlein zugrunde, die jede Sprache im Schlaf erlernen – eine fatale bildungsdidaktische Fehlüberlegung. Zwar stimmt es schon, dass Kinder einfach Sprachen lernen. Allerdings nur, wenn sie permanent mit der Zielsprache konfrontiert sind und die sog. Immersion einsetzt. Bei zwei Wochenstunden Frühfremdsprache passiert hingegen gar nichts, ausser einer punktuellen Stimulation mit äusserst bescheidenem Lernerfolg.

Frühfremdsprachen sind deshalb eine auf schiefen pädagogischen Erkenntnissen beruhende Fehlinvestition. Heute gilt es als erwiesen, dass es für den Lernerfolg am Ende der Schulzeit vollkommen unerheblich ist, wann mit dem Sprachunterricht eingesetzt wurde. Ein späterer Beginn mit einer höheren Wochenstundenzahl wäre sogar deutlich effizienter.

Im Kanton Baselland kommt erschwerend hinzu, dass mit „Mille Feuilles“ ein Lehrmittel zum Einsatz kommt, das diesen Namen schlicht nicht verdient. Es ist so neu und revolutionär, dass den Eltern eine sechzehnseitige Broschüre verabreicht werden muss, um sie auf den ersten Schock vorzubereiten.

Kernbotschaft: Ihr Kind wird nichts lernen, denn lernen war gestern. Heute wird nur noch immersiv gebadet. Und falls Ihr Kind wider Erwarten dennoch einmal ein Wort aufschnappen sollte: Bitte nicht korrigieren, denn auch das ist ganz schlimm. Fehler gelten heute als positiver Ausdruck von Mut und Selbstkompetenz. Ein Grundsatz übrigens, den die Bildungstheoretiker vor allem für sich selber zu reklamieren scheinen.

Nun warten wir gespannt, bis aus der Ecke der Lehrmittel-Experimente auch das Ende des Einmaleins-Paukens ausgerufen wird. Denn das präzise Rechnen ist sicher auch eine Gefahr für die kindliche Entwicklung. Immer nur Resultate zu liefern hemmt doch die Kreativität. Lassen wir die Kinder stattdessen die Zahlen positiv erleben, in dem sie mit ihnen tanzen und jonglieren, ohne sie zu verstehen.

Schliesslich werden unsere Kantonsfinanzen seit Jahren nach diesem Konzept verwaltet.

(Kolumne in der Basler Zeitung vom 4.7.2014, BAZ01-0407-016)

 

 

Sixpack

26 Jun

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Gemeindeversammlung trotz WM und schönem Wetter und nur einem Haupttraktandum: Rechnung 2013. Gemeinderat Lukas Stückelberger präsentiert die solide Finanzlage des Domdorfs (Aufwandüberschuss von rund 200’000 trotz nicht budgetierten Rückstellungen für die BLPK von 800’000).

Beim Thema Finanzausgleich bleibt er anständig und sachlich. Aber der Ärger ist zwischen den Zeilen deutlich hörbar: Arlesheim bezahlt 6.3 Millionen in den Finanzausgleich.

DAS SIND 20% DER STEUERERTRÄGE NATÜRLICHER PERSONEN.

DAS SIND 17% DER GESAMTEN AUSGABEN.

DAS KANN SO NICHT WEITERGEHEN.

Die horrenden Ausgleichszahlungen sorgen im Sall für Kopfschütteln, Verärgerung und rote Köpfe. Rolf Plattner, Sprecher der Gemeindekommission, bringt es auf den Punkt:

“Wir finanzieren ein halbes Schulhaus oder einen ganzen Kultursaal. Jedes Jahr. Aber nicht für uns”

Oder anders gesagt: “Der Finanzausgleich ist wie ein Sixpack Bier: Kaufst Du Dir sechs Flaschen, ist eine davon bereits in Liestal”. 

Sagt darauf der Sitznachbar: “Jetzt wird mir auch klar, weshalb es in Liestal soviele Flaschen hat”.

Kleine Ergänzung: 20% den Steuereinnahmen natürlicher Personen für den Finanzausgleich. Das tönt auf den ersten Blick nicht so schlecht. Bleiben ja immer noch 80% für die Gemeinde. Das Elend ist nur, dass Baselland ein derart zentralistischer Kanton ist und 90% der Ausgaben einer Gemeinde von oben diktiert sind, sprich: Es handelt sich um gebundene Ausgaben.

Der finanzielle Spielraum für Arlesheim, eine der steuerstärksten Gemeinden, ist aufgrund der fatalen Kombination zwischen übertriebenem Zentralismus und verfehltem Finanzausgleich minimal.

Das unsägliche, bedarfsunabhängige und sozialistische, aber von freisinnigen erfundene und schweizweit einmalige System des Finanzausgleichs hemmt finanzstarke Gemeinden wie Arlesheim massiv in ihrer Entwicklung.

Das führt im Ergebnis dazu, dass alle verlieren, auch die Nehmergemeinden.

Ja. Selbstverständlich.

6 Jun

Wenn es nach den aktuellen Prognosen der Buchmacher und Polit-Auguren geht, wird die Fusionsinitiative vom Stimmvolk bachab geschickt werden. Begründung: Es sei in der breiten Bevölkerung kein erkennbares Ja-Lager auszumachen.

Allein deshalb auf ein Nein zu wetten, könnte allerdings arg ins Auge gehen. Zwar scheint die Prüfung einer Fusion der beiden Basel bei potentiellen Befürwortern tatsächlich keine grossen Begeisterungsstürme auszulösen. Zumindest ist nicht zu erwarten, dass sie bis zur Abstimmung am 28. September 2014 noch Fusionsbäume pflanzen, Lieder anstimmen, ihre Autos mit Klebern vollpflastern und sich in Trachten stürzen.

Aber, mal ehrlich: Das ist doch ganz gut so. Denn Emotionen sind ohnehin ein schlechter Ratgeber, wenn es um eine so wichtige Frage wie die Zukunft der Region Basel geht.

Viele Baselbieterinnen und Baselbieter dürften sich deshalb ohne grosses Aufsehen und in aller Gelassenheit für ein Ja entscheiden. Sie bilden den pragmatischen Block zwischen den unkritischen Fusionsturbos und den strammen Isolationisten.

Diesem pragmatischen Ja liegt die nüchterne Erkenntnis zu Grunde, dass ein Zusammenschluss von zwei Organisationen oder Gemeinwesen grundsätzlich Sinn machen kann, wenn man es richtig anpackt. Richtig anpacken – das heisst vor allem, dass der Prozess von Anfang an auf die Erzielung eines Mehrwerts ausgerichtet werden muss. Unter dem Strich muss ein Fusionsgewinn in Form von Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen oder gesteigerter Marktmacht resultieren, sonst macht die Übung keinen Sinn.

Ob das möglich ist, weiss heute niemand. Mit einem emotionslosen Ja zur Fusionsinitiative sollen diese Fakten in Erfahrung gebracht und ein Verfassungsprojekt ausgearbeitet werden, das dann in einer zweiten Abstimmung verabschiedet oder verworfen werden kann.

Ein Ja ist also noch kein Ja zur Fusion, sondern ein Ja zur Prüfung einer dynamischen Zukunft unseres Kantons. Ein Nein zum jetzigen Zeitpunkt ist hingegen ein aktives Bekenntnis zum Stillstand. Und Stillstand darf nicht die Zukunftsvision des Baselbiets sein.

Die Offenheit gegenüber Visionen, Veränderungen und Weiterentwicklungen entspringt einem ursprünglich liberalen Verständnis, weshalb für mich als überzeugter Liberaler die Prüfung einer Fusion der beiden Basel eine Selbstverständlichkeit ist.

Nicht mehr und nicht weniger.

(erschienen als Kolumne in der Basler Zeitung vom 6.6.2014)

Die Frischluft geht in die Offensive

26 Mai

Die Frischluft war bekanntlich noch nie verlegen, wenn es um selbstbewusste Kampagnen ging. Deshalb überrascht auch der neuste Slogan für ihren Gemeindepräsidenten Kalle Zeller wenig.

Kalle für allle

Wie nun aber die ziemlich in die Jahre gekommene Ortspartei (sorry: Orstkulturelleundgesellschaftlichegruppierung) endlich wieder jüngeres Publikum ansprechen möchte, überrascht dann doch auch intime Kenner der Arlesheimer Politszene:

Kung Kalle

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