Vor dem Harassenlauf: Eklat in der Reinacherheide

1 Mai

Dramatische Szenen gestern Abend in der Reinacherheide.

Es ist der Vorabend des Harassenlaufs, der verbotensten Veranstaltung im Baselbiet überhaupt.

In der für den 1. Mai zur Sperrzone erklärten Reinacherheide herrscht eine gespannte Ruhe. Nichts deutet auf die unmittelbar bevorstehende Eskalation der Lage hin: Ein paar Spaziergänger, einige Jogger, ab und an eine Familie mit Kinderwagen.

Ein Tag wie jeder andere.

Nur die patroullierenden Naturschützer in ihren leuchtfarbenen Westen weisen auf die erhöhte Alarmbereitschaft hin. Sie sind Teil des Null-Toleranz-Konzepts der Baselbeiter Sicherheitsbehörden. Sie sind bereit, die Natur gegen die Harassenläufer zu verteidigen.

Gegen 16 Uhr ist am Ostende des Naturschutzgebiets, am rechten Birsufer, eine Naturschützerin mit dem Fahrrad unterwegs.

Sie ist allein.

Und macht einen grausigen Fund.

Da! Direkt neben der Fischtreppe, im Naturschutzgebiet! Ein aus Ästen, Zweigen und Moos getarnter, Hütten-ähnlicher Unterschlupf!

Doch das ist noch nicht alles. Die Hütte ist bewohnt. Eine Gruppe Autonomer hat sich hier im Wald verschanzt, womöglich sogar in der Absicht, den Bierlauf aus der Sperrzone heraus zu starten.

Die Autonomen nehmen die Frau mit provokativer Ignoranz zur Kenntnis. Dennoch beschliesst sie, immer noch allein, mit den Gestalten in Kontakt zu treten.

Sie weiss: mit solch harten Typen kann man nicht verhandeln. Deeskalation wäre jetzt das Falscheste. Deshalb setzt sie gleich zu Beginn ein Ultimatum, mit kurzen, unmissverständlichen Worten: “Hier spricht der Naturschutz. Die Hütte muss weg. Sofort. Das hier ist ein Naturschutzgebiet”. Und schiebt nach, dass sie bei Nichtbefolgen Verstärkung aufbieten und das Gelände umgehend räumen lassen wird.

Es sind bange Momente, die jetzt folgen. Noch ist völlig unklar, ob die Autonomen der Frau Folge leisten werden oder ob es zur totalen Eskalation kommen wird.

Doch dann, völlig überraschend und nach kurzer Beratung, zeigen sie sich verhandlungsbereit. Mehr noch: Sie leisten den Anweisungen unmittelbar Folge und starten den Rückbau.

Bei der anschliessenden Inspektion des besetzten Geländes zeigt sich dann das wahre Ausmass der Bedrohung. Die Besetzer waren bewaffnet: Mehrere von ihnen trugen Schweizer Armee-Sackmesser auf sich. Zudem hatten einige von ihnen metallische Trinkflaschen der Marke “SIGG Kids” bei sich.

Bei den Autonomen handelt es sich um eine Gruppe Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren aus dem angrenzenden Schappe Quartier, die hier schon seit Monaten an ihrer Hütte gebaut haben.

Einer der Hüttenbauer ist der Sohn eines baselbieter FDP-Landrates*, der aber aus Rücksicht auf seine politische Karriere anonym bleiben möchte.

*Name der Redaktion bekannt.

Kaum vorstellbar, welche Bedrohung für die Umwelt von dieser Hütte ausging, bevor sie heute dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Lieber Herr Mägli

29 Apr

Sie leiten die Schweizer Niederlassung der zweitgrössten Reederei der Welt und wollen Basel verlassen, weil Ihnen das Baudepartement verbietet, eine Flagge rauszuhängen, wie das in der Reedereibranche üblich ist.

Das muss man natürlich verstehen. Vor allem, weil Sie gerne ins Baselbiet ziehen möchten.

Nun würde es mich interessieren, ob sich schon jemand von der Baselbieter Wirtschaftsförderung bei Ihnen gemeldet hat, nachdem Sie öffentlich nach einer geeigneten Bürofläche “an der Peripherie” gesucht haben.

Falls nein, hier die wichtigste Information für Sie:

Im Baselbiet dürfen Sie nicht eine, nicht zwei, sondern DREI Fahnen raushängen, und zwar ganz ohne Bewilligung. So steht es in der Reklameverordnung.

Und falls Ihnen das nicht reicht: Da lässt sich bestimmt was machen. Eine vierte Fahne dürfte im Bereich des politisch Möglichen liegen. Meine Unterstützung im Landrat ist Ihnen auf jeden Fall sicher.

Nun ist es allerdings schon so, dass viele Gemeinden den Fahnenaushang in Kernzonen einschränken. Aber Sie wollen ja sowieso an die Peripherie, zum  Beispiel vielleicht ins Arlesheimer Gewerbegebiet.

Gut, Arlesheim liegt jetzt nicht im engeren Sinne an der Peripherie zu Basel. Aber in 15 Minuten sind Sie mit dem ÖV oder dem Auto in Arlese, und sparen dann sogar noch ein Prozent Ertragssteuern im Vergleich zu den unmittelbar an Basel angrenzenden Landgemeinden.

Und vor allem: Sie sind dann in Arlesheim.

Werden wir also konkret: Da gäbe es zum Beispiel was ganz Hübsches für Sie und Ihre Mitarbeiterinnen (ich finde es übrigens sehr interessant, dass Sie ausschliesslich weibliches Persoal einstellen).

Neben diesem bereits bestehenden Gebäude am Altenmattweg entsteht ein Zwillingsbau

Wenn es etwas grösser sein soll, können Sie auch gleich das Swisscom Gebäude posten und dort ein richtiges Speditionszentrum einrichten. Dieser Standort wäre besonders interessant, weil in unmittelbarer Nähe in den nächsten Jahrhunderten Jahren und Jahrzehnten ein Gewerbegebiet von kantonaler Bedeutung entstehen wird.

Und: Dieser Standort läge auch direkt an der Birs, was für eine Reederei von Vorteil sein könnte. Allerdings dürfte es kaum realistisch sein, diese in den nächsten Jahren schiffbar zu machen.

Steht zum Verkauf: "Swisscom-Gebäude", das mittlerweile die Sicherheitspolizei BL beheimatet.

Erster Single-Trail im Baselbiet

23 Apr

Fronarbeit statt biken: Die Nordabfahrt vom Gempen entsteht

Endlich! Nach 15 Jahren Verhandlungen liegen seit Kurzem alle Bewilligungen für den Bau des ersten Single-Trails im Baselbiet vor. Es handelt sich um die sog. Nordabfahrt vom Gempen auf dem Gebiet der Gemeinde Muttenz (für Kenner: Die Strecke ist ca. drei Kilometer lang und führt vom Winterhalle-Wald zur Eselhalle über die Rütihard und endet bei der «Bananenbrücke»).

Rund 50 Biker haben am vergangenen Wochenende gleich losgelegt und mit dem Bau der Strecke begonnen (bevor sich’s die Behörden wieder anders überlegen, wird man sich gedacht haben). Der Trail ist noch nicht fertig, aber bereits befahrbar.

weitere Bilder auf www.trailnet.ch

Die Biker schaufeln und graben selbstverständlich ehrenamtlich. Der Bau dieser sehnlichst erwarteten Sportanlage kostet also keinen Rappen Steuergeld. Für Materialanschaffungen steht ein Fonds aus dem “bike4trails”-Plauschrennen im Rahmen des Bikefestivals Basel zur Verfügung.

Damit wäre mal der erste Trail auf gutem Weg. Aber: Die sog. Westabfahrt vom Gempen nach Münchenstein/Arlesheim ist leider nach wie vor kein Thema, weil die Bürgermeinden Arlesheim und Münchenstein an ihrem Veto festhalten.

In diesem Zusammenhang müsste vielleicht wieder einmal daran erinnert werden:

Die Baselbieter kommen

18 Apr

Morgen ist Baselbieter Tag an der Muba.

Das heisst vor allem, dass der Landrat nur bis am Mittag tagt, damit die Landräte am Nachmittag ihren jährlichen Besuch in der Stadt abstatten können die Muba besuchen können. Der Apéro wird leider nicht im legendären Baselbieterstübli stattfinden, weil dieses dem Messeneubau zum Opfer gefallen ist. Dafür wird es im Engel in Liestal wieder aufgebaut. 

Wir Landräte sind besonders eingeladen, den Baselbieter Muba-Stand zu besuchen. 

Er steht unter dem Motto:  “Schloof guet“.

Nun scheint der Hinweis angezeigt, dass es sich dabei nicht um den Titel des Regierungsprogramms handelt. 

Der Baselbieter Auftritt ist im ersten Stock der Rundhofhalle zu sehen.

Minus vier

15 Apr

Seit Kurzem fällt das Parkplatzangebot auf dem Postplatz noch bescheidener aus: Die BLT setzt auf ihrer 64er Linie einen Gelenkbus ein, der Platz braucht, um sich durch die ohnehin schon enge Wendeschlaufe am Postplatz zu pflügen.

Grosser Bus - kleiner Platz: Zumindest bis Ende Mai verdrängt der 64er vier Parkplätze auf dem Postplatz

Das macht minus vier Parkplätze – vier Plätze, die von eiligen Post- oder sonstigen Kunden geschätzt wurden.

Mittlerweile gibt es gerade noch gut eine Hand voll oberirdischer Parkmöglichkeiten im Zentrum von Arlesheim-Dorf. Das ist so wenig, dass man sich durchaus fragen kann, ob die verbleibenden Parkfelder für den bösen motorisierten Individualverkehr nicht auch noch aufgehoben werden sollen. Die Chance auf einen der raren Plätze ist ohnehin derart gering, und der Suchverkehr steht in keinem Verhältnis zum Parkplatzangebot.

Wobei: Mindestens zwei Parkplätze könnten ohne Weiteres wieder geschaffen werden, wenn endlich die beiden Mobility-Felder in die Tiefgarage oder sonstwohin verlegt würden.

Oder gibt es irgendeinen Grund, weshalb die Auto-Teiler ausgerechnet diese beiden Parkfelder an bester Lage besetzen müssen?

Meistens leer und trotzdem ständig belegt: Mobility-Standort an bester Parkplatz-Lage

Ein Statement zur BVS2

22 Mar

Da gab es vor Kurzem eine Anfrage der Redaktion dieses neuen Politmagazins “Statements“, gerichtet an die FDP Baselland.

Gesucht wurde jemand, der einige Zeilen gegen die Berufsvorbereitende Schule 2 (BVS2) oder eben für deren Überführung in ein einjähriges Brückenangebot liefert. Auf der anderen Seite darf dann jemand lieb und nett schreiben, dass die BVS2 eine ganz gute Sache sei, und dass die Bürgerlichen in ihrer Sparwut übertriebenen Bildungsabbau betreiben. 

Jeder, der schon immer mal so richtig den Buhmann machen wollte, hätte sich da melden können.

Offensichtlich hat dann aber niemand von der FDP zugesagt, sehr zum Ärger der Statement-Macher. Hört man.

Den Frust hätte man sich allerdings ersparen können mit etwas Recherche zum Kontext der BVS2-Massnahme. Diese ist nämlich keine Erfindung von bürgerlichen Sparfüchsen. Sondern – hier noch einmal für alle zum Mitschreiben: die Überführung der BVS2 in die Schule SBA Plus ist ein Vorschlag des sozialdemokratischen Bildungsministers, den er bisher durch alle Böden und Sitzungen verteidigt hat.

Deshalb, liebe Statements-Macher: Der einzige, der etwas zur Abschaffung der BVS2 schreiben kann, heisst Urs Wüthrich. Und falls er Euch nicht zusagt, könnt Ihr ja sein leidenschaftliches Statement an der letzten Landratssitzung abdrucken.

Dann habt Ihr auch gleich ein paar knackige Zitate im Blatt. Wie zum Beispiel:

Diskutiert werden muss die Frage, wie der knappe Bildungsfranken investiert werden soll. Kann eine gleiche Zielsetzung in der halben Zeit erreicht werden, wäre es unethisch, den doppelten Betrag zu investieren.

PS: Heute geht die Entlastungsdebatte und damit auch die Frage des Schicksals der BVS2 weiter (live mithören)

Noch mehr Zahlen

20 Mar

Ja, man kann die Resultate der Gemeindewahlen noch weiter auswerten. Das interessiert zwar kaum jemanden, ist aber für die Parteien oder zumindest für deren Wahlkampfleiter von Relevanz.

Das wäre zunächst einmal der Grad der Parteibindung, der in Arlesheim sehr hohe 87.6% beträgt. Das bedeutet: Die  “Ich wähle sicher keine Partei, weil ich so wahnsinnig unabhängig bin”-Wähler machen in Arlesheim gerade mal 12.4% aus. In Münchenstein sind es z.B. 18%. Und warum ist das so? Weil es in Arlesheim eine Partei gibt, die genau auf diese Wählerschaft abzielt und diese trotzdem zu Parteiwählern macht.

Dann interessiert die Parteien natürlich, wie treu ihre eigenen Wähler sind. Am liebsten hat man die Wähler, die eine Parteiliste unverändert einlegen. Das sind die sog. Stammwähler. Hier kann man die absoluten Zahlen betrachten und zum Beispiel feststellen, dass die Frischluft 2.7 mal mehr Stammwähler als die CVP hat. Das allein macht schon eine Differenz von 3’570 Stimmen aus.

Interessanter ist allerdings die Berechnung des Stimmenanteils von Stammwählern im Vergleich zur Gesamtstimmenzahl einer Partei. Diese Auswertung gibt Hinweise auf die Diszipin der eigenen Wählerschaft und auch auf deren Zufriedenheit mit der vorgeschlagenen Liste.

Neben den Stammwählern interessiert die Parteien auch das Verhalten derjenigen Wähler, die zwar eine Parteiliste einwerfen, diese aber verändern, also entweder eigene Kandidaten kumulieren oder Kandidaten von anderen Parteien auf die Liste panaschieren.

Beim diesem panaschieren gehen wertvolle Parteistimmen verloren. Dieser Verlust auf veränderten Parteilisten lässt sich berechnen, indem von der maximal möglichen Parteistimmenzahl die Stimmen zugunsten von Fremdparteien in Abzug gebracht werden. Dabei ergibt sich folgendes Bild:

Lesebeispiel: Die FDP erzielt 80% der maximal möglichen Stimmen auf veränderten Parteilisten. Oder eben: 20% der Stimmen auf veränderten Parteilisten gehen an andere Parteien verloren. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das z.B. für die CVP, dass sie 534 Stimmen “verloren” resp. nicht realisiert hat.

In dieser Grafik zeigt sich auch eindrücklich, wie die Parteien ohne volle Listen bestraft werden: GLP und SVP hatten freie Listenplätze, die von den Wählern eifrig mit “Fremden” gefüllt wurden.

Ein paar Zahlen (I)

14 Mar

Nach dem Wahlkampf und dem Wahlwochenende beginnt der Verdauungs- und Analyseprozess. Dabei stürzen sich die Parteien auf das Wahlprotokoll und versuchen herauszulesen, wer warum und woher welches Resultat erzielt hat.

Aus diesem Protokoll lassen sich zunächst Aussagen zur Wahlbeteiligung ableiten. Zum Beispiel, dass die Stimmbeteiligung beim Gemeinderat (38.3%) tiefer ist bei der Gemeindekommission (41.2%), sich aber seit Jahren in etwa dem gleichen Niveau bewegt. Oder, dass die Zahl der brieflich Stimmenden mittlerweile 89.8% beträgt.

Interessant sind dann aber natürlich vor allem die Zahlen zur Parteistärke, gemessen an der Gesamtzahl der Parteistimmen. Da sieht es so aus:

(FDP-Mitglieder können sich hier den wohltuenden Satz merken: “In Arlesheim ist die FDP eine 26.1%-Partei”).

Das Ergebnis sah vor vier Jahren noch etwas anders aus:

Der Vergleich der Prozentpunke ergibt folgendes Bild der Veränderung:

Dramatischer sieht es aus, wenn man das Verhältnis der Anzahl Stimmen direkt vergleicht. Hier zeigt sich, dass die SVP nominell noch mehr verloren hat als die CVP (bei dieser Verhältniszahl macht die Auswertung in Bezug auf die GLP keinen Sinn, da sie bei den letzten Wahlen 2008 noch nicht dabei war)

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