Nun sind sie also da, die Wahlprospekte der Parteien mit den Portraits der Kandidierenden. Schon ein erster Durchblick führt zu einer grossen Enttäuschung: Es hat kaum Kandidaten mit exotischen Berufen. Schade eigentlich, denn nach den Bildern studiere ich immer zuerst die Berufe und überlege mir dann, was man wohl bei diesem Berufsbild den ganzen Tag lang so macht. Wie hab ich mich doch gefreut auf transkulturelle Agogen, Galvaniseure oder Frühinterventionstherapeutinnen. Aber nein, der Kandidierenden-Jahrgang 2008 enthält nichts als kommune Projektleiter, Familienfrauen, UnternehmerInnen, Ingenieure oder Techniker. Und selbst eine Kompostberaterin ist heute keine Exotin mehr. Die Ökonomen sind am besten vertreten und auch an Juristen mangelt es nicht. Meine Fantasie wird dann aber zum Glück doch noch etwas gekitzelt, dank dem „Insektenzüchter in der Basler Chemie“, bei dem ich sofort an fünfköpfige Köcherfliegen oder hochtoxische Bodenläuse denke und nur hoffen kann, dass der Kandidat am Abend die Fenster und Türen seines Labors gut verschliesst.
Unsere Nachbarn in Reinach haben’s da schon besser, denn die haben wenigstens die Möglichkeit, einen „Spezialisten für die Erstbevorratung von Flugzeugersatzteilen“ in den Einwohnerrat zu wählen. Hand auf’s Herz: Wer hat nicht schon mal davon geträumt, einen Tag lang Erstbevorräter zu sein; und wer ertappt sich nicht hin und wieder dabei, dass er seinen Sohn nachdenklich betrachtet und sich fragt, ob er es wohl mal zum Erstbevorräter schaffen wird, oder ob er ein tristes Dasein als Zweitbevorräter fristen muss; und wer erinnert sich nicht an die Primarschule, wo die Jungs alle entweder Lokführer, Astronaut oder Erstbevorräter werden wollten.

Was wäre denn ein exotischer Beruf? Grüne-LED-blinkt-Überwacher bei RWE, der dann sofort dem Grüne-LED-blinkt-nicht-mehr-leuchtet-nun-rot-Manager Bericht erstattet?