Ou sorry, hanivergässe! In etwa so lautet die Antwort der SBB auf die Frage, weshalb sie den Anwohnern der Austrasse eine Hochspannungsleitung vor die Nase gesetzt haben, ohne ihnen das vorher mitzuteilen. Eine höchst peinliche Antwort, die in ihrer Geringschätzung der Adressaten kaum mehr zu überbieten ist.
Wohlverstanden: Wer an einer Bahnlinie wohnt, wird immer gewisse Emissionen in Kauf nehmen müssen und darf nicht erstaunt sein, dass da lärmige Züge vorbeifahren und Stromleitungen benötigt werden. Aaaaber: Das heisst noch lange nicht, dass sie deshalb als Rechtlose ohne Informationsansprüche gelten. Genau so kommen sich die Anwohner nun aber vor.
Rückblende: Die Hochspannungsleitung wurde in den Sommerferien 2007 im Wochenblatt unter dem unscheinbaren Begriff „66/132 kV-Spannungsumbau“ angekündigt. Falls das überhaupt jemand gelesen hat, konnte er/sie sich bestimmt nicht vorstellen, dass damit 26 Meter hohe Starkstrommasten gemeint waren. Der eigentliche Baubeginn wurde dann im Februar 2009 in einem kleinen Inserat im Wochenblatt angekündigt: Im Stellenanzeiger unter Aesch, nachdem die Masten bereits standen. Die Anwohner erfuhren von den Bauarbeiten erst, als sie eines Nachts um 01:00 aus dem Schlaf geklingelt wurden mit der Aufforderung, jetzt sofort ihre Autos umzuparkieren.
Eher komisch-tragisch erscheint der Zusammenhang zur Verkehrsdrehscheibe Arlesheim-Dornach, die nach 40 jähriger Planungszeit nun endlich Formen annimmt. Es soll der schönste Bahnhof weit und breit werden, mit Begegnungszone, einem herausgeputzten und denkmalgeschützten Aufnahmegebäude und einem von Meisterhand entworfenen und die Jurahöhen widerspiegelnden Wellendach über dem Busbahnhof. Kein Detail wird dem Zufall überlassen; über jeden Winkel und jede Kante wird diskutiert und darauf geachtet, dass die Konzepte über die Beleuchtung, die Begrünung und die Farbgebung eingehalten werden. Und nun kommt die SBB und krönt dieses Gesamtkunstwerk mit einer hässlichen Hochspannungsleitung, die genauso gut ins Bahnbett gelegt weden könnte. Das hätten auch die Schildbürger nicht besser auf die Reihe gekriegt.
Der Gipfel der Peinlichkeit ist allerdings die Informationspolitik der Projektpartner, zu denen auch die Gemeinde Arlesheim gehört. Mit der im vergangenen Herbst gestarteten Informationsoffensive wollte man Vertrauen schaffen und schmiss mit Floskeln wie „zeitnahe, transparente Bürgerinformation“ um sich. Es wurden Stellwände am Bahnhof installiert und eine Internetseite eingerichtet, die über jeden Bauabschnitt und jede Nachtarbeit exakt Auskunft geben. Nur bringt das alles nicht sehr viel, wenn die wirklich interessierenden Dinge verschwiegen werden. Wer nun argumentiert, die neue Leitung sei gar nicht Teil des Projekts „Verkehrsdrehscheibe“ soll doch bitte mal einen Kurs in vernetztem Denken belegen.
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Dito für Dornach. Nie etwas von dieser Leitung gehört. Die Ausschreibung war nur für Elektroingenieure verständlich. Bruder Henzi hätte sicher was machen können, denn mit dem Klostertrumpf kann man alles bodigen.
Die Gemeindeväter sollen sich doch mal zu einem grenzüberschreitenden Sit-in auf der Drehscheibe treffen und den Kollegen von der SBB mal die Chappe wäsche. Und sonst gibt es immer noch die Stägglibuebe…
Liebes Forum, in der Basler Zeitung am letzten Samstag stand geschrieben, dass die Leitung auf der ganzen Bahnlinie Basel-Laufen kommen wird. Das würde bedeuten, dass sie auch in Aesch direkt an der Rudolf Steiner Schule und in Münchenstein durch dicht besiedeltes Gebiet führen wird. Müssten sich die Gemeinden und/oder Anwohner nicht vielleicht zu einem Schutzverband zusammenschliessen?
Ich finde sie auch saumässig hässlich und möchte keine solchen Betonmonster vor meiner Bude. Nur dürfen wir etwas nicht ganz ausser Acht lassen. Wir alle fordern alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten. Ein dichter Fahrplan bei der Bahn gehört auch dazu. Das führte nun dazu, dass auch im Bahnhof Arlesheim-Dornach (oder besser Dornach-Arlesheim) neue Einspeisungsmöglichkeiten geschaffen werden mussten, damit u.a. das Netz beim Beschleunigen der Lokomotiven (Halt von Schnellzügen in Dornach) und einem verdichteten Fahrplan stabil bleibt. Und welche Schwierigkeiten der Bau einer 132kV-Leitung im Boden bereitet, dürfte wohl den wenigsten bekannt sein. Habe unlängst in Rheinfelden ein solches Vorhaben in verschiedenen Bauphasen mitverfolgt und mir von Technikern die mehr als komplexe Angelegenheit erklären lassen. Hat mich Laien in solchen Sachen recht beeindruckt. In Münggestei stehen übrigens seit längeren solche Masten an der SBB-Linie (ich meine nicht die Ungetüme am Villenhang). Last but not least das: Sofern sich die SBB tatsächlich zu „Ausnahmen“ hinreissen lassen würde, wäre das ein Präjudizfall, der Tür und Tor für solche Vorhaben öffnen würde. Kostenfolge (auch für uns Bahnbenützer) unabschätzbar. Ich meine, dass auch die Situation der Gegenseite beachtet werden muss. Ich weiss, ich weiss, das ist nur ein schwacher Trost, aber immerhin……
@stuecki. Die „vor die Nase“ gesetzte Hochspannungsleitung ist keineswegs neu. Bloss war die alte Leitungsführung auf eine Spannung von 66 Kilovolt ausgelegt und kam daher mit kleineren Masten aus, welche auf den Tragwerken der Fahrstromleitungen aufgesetzt waren. Für die schweizweit einheitliche Umstellung des Bahnstrom-Übertragungsnetzes auf 132 Kilovolt war die Erstellung grösserer Tragwerke aus Beton (evtl. aus Stahl) erforderlich. Der Verlauf der umgebauten Leitung entspricht genau jenem der bisherigen und die Leitung führt bis zum Umbau der gesamten Strecke von Muttenz bis Delémont die „alte“ Betriebsspannung von 66 Kilovolt.