Die nächsten (kantonalen) Wahlen stehen zwar erst in 22 Monaten an. Dennoch tun die Parteien gut daran, sich langsam in Stellung zu bringen. So geschehen bei der CVP Arlesheim, die neuerdings mit einem Drei-Themen-Plan auffällt: Familie-Wirtschaft-Umwelt lautet – nicht ganz überraschend – das Programm, dessen Ausgangs- und Schwerpunkt “der christliche Familienbegriff“ sein soll.
Dieser Familienbegriff sollte angesichts seiner offensichtlich fundamentalen Bedeutung für das Parteiprogramm etwas veranschaulicht werden. Was darf man darunter verstehen?
Die naheliegendste Interpretation wäre, dass die CVP ihr Denken und Handeln auf Familien ausrichtet, die im christlichen Glauben leben. Wäre dem so, müsste man allerdings sogleich einwenden, dass die Bedeutung der Familie als gesellschaftliche Institution und Ort primärer Sozialerfahrungen nicht von einem wie auch immer gelebten Glauben abhängt.
Bleibt also die Frage, ob der christliche Familienbegriff auf die Vorstellungen und Schilderungen im Buch der Bücher verweist, also etwa auf die „Christliche Haustafel“ in Epheser 5, die bei einer Gender-mässigen Überprüfung durch eine Fachstelle für Gleichstellung möglicherweise zu einigen Bemerkungen Anlass geben dürfte:
Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist.
Oder beruht das politische Fundament unserer Kolleginnen und Kollegen der CVP vielleicht doch eher auf der christlichen Vorstellung einer traditionellen Familie mit zwei verheirateten Eltern und mindestens einer Frucht dieser Verbindung? Dann allerdings möchte ich mit aller Vehemenz anmerken, dass die tragenden Werte innerhalb einer Familie wie Respekt, Toleranz und Geborgenheit völlig unabhängig von der Familienorganisation und namentlich auch von ganz unchristlichen Erscheinungsformen wie Eineltern- und Patchworkfamilien gelebt werden können.
Was also immer unter dem christlichen Familienbegriff zu verstehen ist: Wir sind gespannt, wie dieser in der Dorfpolitik der nächsten 22 Monate in Erscheinung treten wird.

LeserInnen meinen: