Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) ist gut unterwegs. Besser denn je. Wie Anfang Woche bekannt wurde, transportierten die im TNW zusammengeschlossenen ÖV-Unternehmen im vergangenen Jahr erstmals über 200 Millionen Passagiere, die für ihre Fahrten insgesamt 224 Millionen Franken hinblätterten. Das Erfolgsrezept des TNW lautet: „Ein einfacher und günstiger Preis, zusammen mit einem attraktiven Angebot, führt zu mehr Kunden“. Das mag ja grundsätzlich stimmen. Aber eben nur grundsätzlich. In einem speziellen Kundensegment zeichnet sich der TNW nämlich durch eine völlig absurde Tarifpolitik aus, und zwar ausgerechnet bei den Kleinsten, sprich: Bei den Passagieren unter 6 Jahren. Diese bezahlen ganz unterschiedliche Preise, je nach dem, mit wem sie reisen. Das zeigen die folgenden krassen Beispiele:
Eine Fahrt mit meinen beiden Jungs von Arlesheim in den Zolli und zurück kostet mich CHF 7.60. Fährt unsere Tagi-Leiterin mit den selben Jungs die gleiche Strecke, kostet die Fahrt bereits CHF 17.20. Anderes Beispiel: Macht die Oma mit ihren sechs Enkelkindern einen Ausflug in die Stadt, so bezahlt sie CHF 7.60. Und jetzt bitte festhalten: Die Tagi-Leiterin, die im selben Tram mit den selben Kindern die genau gleiche Strecke fährt, bezahlt dafür sage und schreibe 44 Franken und 40 Rappen (vierundvierzigfrankenundvierzigrappen!!!).
Hintergrund dieser massiven Preisunterschiede ist eine grob stossende Diskriminierung von Tagesheimen und Kinderhorten in den Tarifbestimmungen des TNW. Kinder unter sechs Jahren bezahlen nichts, ausser, sie sind mit Kinderkrippen und ähnlichen Organisationen unterwegs. Dann bezahlen sie immer. Das steht zwar nicht am Automaten und auch in den Tarifbestimmungen ist die Formulierung mehr als missverständlich. Aber offensichtlich ist das die Meinung des TNW, wie mir heute auch telefonisch bestätigt wurde.
Warum der TNW die meist nicht auf Rosen gebetteten Krippen derart zur Kasse bittet, bleibt schleierhaft. Höchstwahrscheinlich sahen die Tarifgestalter vor ihren geistigen Augen eine wilde Horde kreischender Kinder und entschieden dann, diese mit einer prohibitiven Fahrpreisgestaltung faktisch von der Benützung des ÖV auszuschliessen. Da bleibt mir nur ein riesengrosses Kopfschütteln. Mein Appell deshalb an die Bürokraten des TNW: Wenn es Euch wirklich ernst ist mit der einfachen Preisgestaltung, dann lasst die Kinder unter sechs Jahren doch einfach gratis fahren, und zwar in jedem Fall.
Und wenn wir schon beim gesunden Menschenverstand sind: Den Kontrolleuren, die kürzlich einer Kinderkrippenleiterin in Basel 900 Franken Busse aufbrummten, weil sie nicht wusste, dass sie für ihre neun Kinder ein Billet lösen muss, gehört links und rechts eins an die Ohren. Die Frau hat sich nämlich auf die Angabe am Automaten (Kinder unter 6 gratis) verlassen und nicht noch extra die Tarifbestimmungen im Internet konsultiert, wo die Krippendiskriminierung verankert ist.
Update 26.5.2009: Die Geschichte hat’s in die Pendlerzeitung geschafft.
Tags:Öffentlicher Verkehr, BLT, Kinderkrippen, Tarifverbund, TNW


Nach dem schon das mit dem Ess- und Trinkverbot nicht ganz sauber war, ist das nicht ein Fall für den Juristen, Herr Stuecki?
Sagte ich ja schon heute Morgen, bevor mein Kommentar wieder rausflog. Schoppen und Darvida verboten, sonst wirds teuer. Stillende Mütter werden ebenfalls als Nahrungsversorgung taxiert und stehen auf dem Bu(s)senindex. Der Verwaltungsrat der BLT berät zur Zeit über ein Kackverbot für Kleinkinder.
Geht dieser Artikel noch weiter? Das ist unhaltbar seitens des TNW, diese Geschäftsleitung gehört verboten!
Die (verbalen) „Kläpper“ an die offensichtlich verblödeten Kontrolleure sind hiermit gerechtfertigt!
Übrigens unterliegen auch die Kindergärten (private wie staatliche) dieser Vorschrift. Umso mehr gehört diese Regelung abgeschafft.
Warum müssen diese Bengel eigentlich überhaupt gratis fahren?