Hochspannungsleitungen: Doch noch Verhandlungen?

29 Mai

Gleich vier Vertreterinnen und Vertreter der SBB setzten sich gestern Abend auf den heissen Stuhl im Gemeindesaal des Domplatzschulhauses, um sich von rund 60 besorgten und geladenen Anwohnerinnen und Anwohnern der neuen SBB-Hochspannungsleitung im Bereich des Bahnhofs Arlesheim-Dornach löchern zu lassen. Und dies, nachdem die SBB zunächst lediglich mit einer Behördendelegation sprechen wollten.

Statt Arroganz und Ignoranz gab es also Information und Transparenz. Und statt einem grimmig-kalten SBB-Manager, auf den man den ganzen Groll hätte projizieren können, vertrat eine junge und sympathische Ingenieurin den umstrittenen Bau der neuen Übertragungsleitung. Sie tat genau das, was man in einer solchen Situationen tun muss: Sachlich, sehr kompetent und emotionslos informieren, Fakten liefern und zu Fehlern stehen („Ich entschuldige mich im Namen der SBB, dass bei der Information nicht alles optimal lief“). Das war sehr geschickt, jetzt einmal rein kommunikativ betrachet.

Inhaltlich blieben die Fronten hart: Die SBB berufen sich auf ein vom Bundesamt für Verkehr für korrekt befundenes Bewilligungsverfahren. Zudem seien die neuen Leitungen notwendig, um die Sicherheit der Bahnstromversorgung in der Nordwestschweiz zu gewährleisten. Eine Erdverlegung komme nicht in Frage, da allfällige Reparaturen zu aufwändig, die Leitungen zu instabil und sowieso alles viel zu teuer sei. Zudem sei es halt nun mal so, dass entlang von Bahnlinien auch Stromleitungen geführt werden.

Gegen diesen letzten Punkt hatten die Anwohner nichts einzuwenden. Allerdings sei das Bewilligungsverfahren viel zu kompliziert gewesen. Niemand hätte hinter der unscheinbaren Formulierung „Spannungsumbau“ die Errichtung von riesigen Masten erwartet. Erschwerend kam hinzu, dass die Masten – in Übereinstimmung mit dem eisenbahnrechtlichem Plangenehmigungsverfahren – nicht als Profil, sondern lediglich als Bodenmarkierungen „ausgesteckt“ waren. Für die Anwohner ist deshalb klar: „Wir wurden legal über den Tisch gezogen“. Die Masten müssen weg, die Leitungen unter den Boden.

Dafür hatten die Bähnler aber kein Gehör. Sie beriefen sich immer wieder auf das rechtlich korrekte Verfahren und stellten auch unmissverständlich klar, dass sie nicht verhandeln, sondern ausschliesslich informieren wollen.

Umso überraschender fiel dann das Fazit von FDP-Gemeinderätin Daniela Meury aus, die als Vertreterin der Gemeinde souverän durch die teilweise hitzig geführte Diskussion führte. Gänzlich unbeeindruckt von der mangelnden Verhandlungsbereitschaft der SBB resumierte sie: „Gut, dann schlage ich vor, dass wir von der Gemeinde zusammen mit der SBB alles nochmals ansehen und die Erdverlegung zumindest mal prüfen lassen.“ Dann setzte sie noch einen drauf und forderte die Versammlung auf, zwei Vertreter in die Arbeitsgruppe zu delegieren. Und während sich die Bahnvertreter leicht verdutzt ansahen, wählte die Versammlung mit Applaus ihre Wortführer und formierte den Widerstand, indem eine Adressliste aller Anwesenden erstellt wurde.

So macht man das. Ob es allerdings viel bringt, bleibt abzuwarten. Die Gemeinde muss sich auf jeden Fall nie vorwerfen lassen, Sie hätte nicht wenigstens versucht, eine Lösung zu finden.

Und für all jene, die bereits seit dem Aufbau der Masten Kopfweh haben, bleibt noch nachzutragen, dass von den neuen, stärkeren Leitungen eine wesentlich geringere ionisierende Strahlung ausgeht als von den alten Kabel aus dem Jahre 1933.

IMG_0777

Für Verständnis werben: NetzplanerInnen der SBB zu Besuch in Arlesheim

Tags:, , , , ,

4 Antworten zu “Hochspannungsleitungen: Doch noch Verhandlungen?”

  1. gebaeude 29. Mai 2009 um 12:16 #

    it’s about arguing, not bargaining. aber das kann man verschieden sehen.

  2. einbasler 29. Mai 2009 um 16:57 #

    Ende gut alles gut!? Zwar gibt es Strom im Garten, aber man hat darüber geredet und jeder weiss jetzt, dass es nicht so schlimm ist wie es früher war! Eigentlich können alle froh sein, dass die Belastung theoretisch nicht mehr so hoch ist!?

  3. einbasler 29. Mai 2009 um 17:07 #

    … ah ja, und es gibt eine neue Kommission zur Förderung und Pflege einer guten Kommunikation mit der SBB.Nebst der subventionierten Nähförderung ein wichtiger Beitrag der Gemeinde zur Berücksichtigung der „Talbevölkerung“! Zu einem guten Kurort gehört eine „Bahnkommission“.

  4. Timbuktu 29. Mai 2009 um 22:18 #

    Ja super, und am gleichen Tag gehen die Schwertransporter mit den langen Betonstahlmasten ueber die Birseckstrasse und via Talstrasse los und werden dort am Bahngeleise nach einzeln hintransportiert. Die ganze Strasse war blockiert, Polizeiauto und Polizisten sperren die Strasse ab, Autoschlangen , Stau , mitten am Tag ! Ich war auch im Stau und habe mich gefragt warum, bis ich die Spezialtransporter mit Polizeibegleitung gesehen hatte !

    Der Bau der Starkstrommasten geht jetzt Richtung Basel weiter, als sei nix gewesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Melde Dich bitte bei WordPress.com an, um einen Kommentar auf deinem Blog zu schreiben.

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s