Mit Bausparen gegen Bausparen

6 Jun

Bausparen ist eine gute Sache, aber leider vom Steuerharmonisierungsgesetz nicht mehr vorgesehen. Trotzdem lässt die Baselbieter Regierung die Bausparabzüge weiterhin zu, weil es sein könnte, dass mit den hängigen Volksinitiativen das Bausparen durch die Hintertüre doch wieder salonfähig werden könnte. Diese Politik ist inhaltlich natürlich zu begrüssen, auch wenn die Vorwirkung eines zukünftigen Volksentscheids etwas abenteuerlich anmutet.

Nun hat sich diese Woche die Baselbieter SP-Nationalrätin Leutenegger-Oberholzer beim Bundesrat als Musterschülerin profiliert, indem sie gerätscht hat, dass in ihrem Heimatkanton im Fall nach wie vor baugespart wird, und dass man das doch bitte sofort abstellen soll. Dafür erhielt sie eins auf die Finger von der Baselbieter FDP.

Interessant daran ist aber vor allem, dass Frau Leutenegger Oberholzer selber von den Bausparabzügen profitiert, und zwar nicht zu knapp: 12’000 Franken kann sie von ihrer Bemessungsgrundlage abziehen. Im vergangenen Jahr wurde die Bauspar-Gegnerin von FDP Nationalrat Gysin auf diesen Wiederspruch in ihrem eigenen Verhalten angesprochen. Und nun die Pointe: Zu ihrer Verteidigung führte die SP-Frau an, sie würde das nur tun, um das System anzuprangern. „Ich mache das genau deshalb, weil ich den perversen Effekt dieses Systems aufzeigen will. Ich finde, das kann man am besten anhand der eigenen Steuererklärung tun“, liess die Bausparerin im Nationalrat verlauten.

Vor soviel Selbstlosigkeit ziehen wir den Hut, Frau Leutenegger-Oberholzer. Dass Sie im Einsatz gegen das unsoziale Bausparen sogar bereit sind, seit Jahren einen absolut perversen Steuerabzug von 12’000 Franken hinzunehmen, macht Sie schon fast zu einer Winkelriedin.

Böse Zungen gehen davon aus, dass Sie diese schmutzige Ersparnis ganz sicher nicht in die eigene Tasche gesteckt, sondern auf einem Sperrkonto deponiert haben, um sie dann nach erfolgreicher Bodigung des Bausparens wieder zurückzuzahlen.

PS: Danke für die Pointe, lieber Lele, der Du offensichtlich bereits heute alle Nationalratsprotokolle liest…

2 Antworten zu “Mit Bausparen gegen Bausparen”

  1. lele 8. Juni 2009 um 12:20 #

    Lieber Balz
    Es ist Dir ein kleiner, wenngleich nicht uninteressanter, „Fauxpas“ unterlaufen. Der Allianzname von Frau NR S. Leutenegger Oberholzer, also unserer „Test-Bausparerin“ (wenn wir so sagen wollen), schreibt sich OHNE verbindenden Querstrich. Es fehlt dort also an einem verbindenden Element. Es gibt Doppelnamen-Träger, die auf das Vorhandensein bzw. das Fehlen eines verbindenden Elementes Wert legen. Zu welchen dieser Namensträger Frau Nationalrat gehört, entzieht sich natürgemäss meiner Kenntnis.
    Die Punkte, die Du zur Test-Bauspartätigkeit von Frau Nationalrat vorbringst, können nicht zutreffender aus dem Sachverhalt, d.h. also des „perversen Bausparens“, abgeleitet werden.
    Ich kann nur nochmals betonen: Wem – in drei Teufels Namen – tut es weh, wenn ein/-e Bausparer/-in das bau-gesparte Geld nicht versteuern muss. Und was bitte soll daran unsozial sein, wenn man gerade jenen ein hilft, die eben noch KEIN Wohneigentum haben?
    Gruss
    Lele

    PS: Wenn ich mal so etwas mutmasse, könnte sich Frau Nationalrat bei einem Grenzsteuersatz von 30% befinden. D.h., dass wenn sie den maximalen „Test-Bausparbetrag“ für z.B. eine Einzelperson einzahlt, also CHF 13’132.00, so würde bei diesem Grenzsteuersatz jeweils eine Steuerersparnis von ca. CHF 3’900.00 im betreffenden Jahr resultieren. In 20 Jahren z.B. wären dies CHF 78’000.00 (nota bene ohne Zins und Zinseszins), ist doch schon was, oder nicht ?!

  2. Markus Eigenmann 8. Juni 2009 um 22:16 #

    @ stuecki: Das wäre doch was, eine auf Dometown lancierte Nationalratskandidatur…
    @ lele: Ich will die Frau Nationalrat ja nicht in Schutz nehmen, aber das Baselbieter Bausparen ist meines Wissens auf zehn Jahre beschränkt. Sie wird sich also mit einer etwas kleineren „Test-Gesamtsteuerersparnis“ begnügen müssen.

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