Zunächst einmal eine kleine Bildbetrachtung. Wer oder was ist auf diesem Bild erkennbar?
Der erste Gedanke: Sehr gut. Jetzt gibt es endlich einen Schranken-Wart am Tramübergang Birseckstrasse.
Leider falsch. Es ist Dr. Frank Braun, ein gewiefter Wahlkämpfer, der auch kein Problem damit hat, den Unfall eines Schulkindes im CVP-Wahlkampf zu verwerten und damit die Titelseite des Dorfanzeigers zu füllen. Kinder, Emotionen, Blut, Betroffenheit, böse Behörden: Das ist der Stoff, von dem der Politboulevard lebt. Neuerdings offenbar auch das Wochenblatt.
Und nun zu den Fakten. Der Tramübergang Baselstrasse/Birseckstrasse verfügt über ein gegenversetztes Geländer („Schikane“) sowie eine optische und akkustische Signalanlage, nicht aber über eine Schranke. Am 15. Januar 2010 ereignete sich ein Unfall zwischen einem Primarschüler und einem Tramzug, bei dem der Schüler glücklicherweise „nur“ verletzt wurde. Frank Braun hat 2007 als Privatperson auf das Problem aufmerksam gemacht und erreicht, dass der Kanton eine Schranke für 2010 in Aussicht gestellt hat. Leider kommt die Schranke nun etwas zu spät. Der Unfall wäre in der Tat zu vermeiden gewesen.
Nur: Jeder Unfall mit Kindern auf dem Schulweg wäre zu vermeiden, wobei wir bei der grundsätzlichen Frage der Schulwegsicherheit wären. Wenn wir mal davon ausgehen, dass es kaum je möglich sein wird, jedem Kind einen absolut sicheren Korridor von Haustür zu Schultür zu bauen, dann müssen wir uns damit abfinden, dass es immer nur eine relative Sicherheit geben wird. Damit diese ein möglichst hohes Niveau erreicht, müssen alle involvierten Kreise ihren Beitrag leisten. Es braucht Ausbildung, Erziehung und bauliche Massnahmen. Angesprochen sind also Eltern, Schule, Behörden und natürlich die Kinder selber.
Schulwegsicherheit ist also nicht nur, aber auch eine Behörden-Aufgabe. Im konkreten Fall ist die Verkehrskommission angesprochen, die den Übergang geprüft und ihn nicht zuoberst auf die Massnahmenliste gesetzt hat. Das mag aus Sicht der Anwohner ärgerlich erscheinen. Doch Schulwegsicherheit ist immer auch subjektiv. Alle Eltern sind der Meinung, dass ausgerechnet ihr Kind den gefährlichsten Schulweg hat und die Gemeinde dringend etwas tun sollte. Der Verkehrskommission kommt die Aufgabe zu , die zahlreichen Gefahrenherde objektiv zu kategorisiern, Wünschbares von Notwendigem zu unterscheiden und schliesslich das Machbare zu tun. Auf keinen Fall darf sie ihr Handeln danach richten, wo am lautesten gebrüllt wird.
Ob nun der fragliche Tramübergang wirklich falsch beurteilt wurde? Immerhin ist er bereits zweifach gesichert. Mir kommen spontan 10 weitere Stellen mit mindestens gleichem Gefahrenpotential in den Sinn. Denken wir nur an den Schulweg der Kinder aus dem Tal und der Schappe, der über und entlang von stark frequentierten Strassen sowie über einen nicht gesicherten Tramübergang führt. Aber eben, jeder findet den Schulweg der eigenen Kinder am gefährlichsten. Auch ich.
Für eine Risiko-Minimierung des Schulwegs der Schappe-Kinder setzt sich übrigens seit Jahren der Präsident der Elternplattform ein. Im Gegensatz zum CVP-Präsidenten ist er aber glücklicherweise noch nicht auf die Idee gekommen, damit Wahlkampf zu betreiben.


Ist natürlich schon ärgerlich, wenn ein Dorfnarziss den andern austrickst. Was uns der eine (mit Schaum vor dem Mund) über den andern (verkleidet als Gutsherr in preussischem Jagdfilz) hier genau mitteilen möchte wird bleibt im Dunkeln. Klar ist nur, dass sich der Herr Schulratskandidat mult. über diese erneute zwischenparteiliche Keiltreiberei nicht so recht freuen wird.
@ stuecki: Besagter Schrankenwart ist meines Wissens lediglich Vizepräsident der CVP.
@ Jule: Der Kandidat ist nicht wirklich beunruhigt über den propagandistischen Wettstreit der beiden Parteiexponenten; dieser wird das Zweckbündnis für die Schulratswahl nicht beeinträchtigen. Und vor allem: Das Thema Schulwege gehört sowieso nicht in den Schulratswahlkampf, auch wenn es uns Eltern immer wieder bewegt. Der Schulrat hat in dieser Frage nämlich keine Kompetenzen.
Hallo zusammen,
vielleicht noch 2 weitere Fakten – ohne Kommentar – hierzu:
1. Die Kinder von Herrn Braun gehen ins Domschulhaus und müssen somit besagte Übergang nicht überqueren.
2. Es handelt sich meines Wissens um den einzigen ungesicherten Tramübergang in Arlesheim, der sich nicht an einer Haltestelle befindet. Das Tram fährt dort gegen 40 km/h.
In Ettingen wurde vor Jahren eine bekanntermassen gefährliche Situation erst dann mit einer Lichtsignalanlage versehen, nachdem eine meiner Familie bekannte Schülerlotsin angefahren wurde und nur mit viel Glück überlebt hat. Ich bin deshalb seit jeher ein „gebranntes Kind“ gewesen – und mit eigenem Kind natürlich der Gefahren nur zu gut bewusst.
Offensichtlich gefährliche Situationen gehören meines Erachtens entschärft, BEVOR etwas passiert – im Übrigen egal, wem welches Stück einer Strasse gehört. Das hat mit Wahlkampf nichts zu tun, sondern mit lösungsorientiertem Vorgehen, um Schlimmes zu verhindern.
(Trotzdem danke für die Blumen – und dass ich mir JETZT einen entsprechenden Kommentar nicht verkneifen konnte, ist ja klar, oder?
Im Ernst – das Thema ist wichtig, und gottseidank in vielen Fällen eigentlich auch einfach zu lösen.)
Anstatt wieder die üblichen Reden zu schwingen und in Verschwörungtheorien über bürgerliche Parteien zu schwelgen könnte ja mal jemand das Problem zu lösen versuchen.
Aber nachdem ja schon der Herr Professor Doktor CVP lieber mit ganzseitigen, vermeintlich journalistisch daherkommenden Ganzseiten-Inseraten daran erinnert, wer er ist, in welchem Grüppli er zu suchen ist und dass die im Fall auch noch was zu sagen haben (was durchaus erstaunt, wenn man an die unsäglich unfertige Webseite dieser Partei denkt), muss natürlich auch der Vorzeige-Lieberale seinen Senf dazugeben – auch wenn das erfreulicherweise weniger anbiedernd geschieht als auch schon. Also – machen, nicht schwätzen!