„Es gibt nur Gewinner“: Arlesheim bewirbt sich um ein 120-Personen Asylzentrum

2 Mrz

„Es handelt sich um eine Win-Win-Lösung“. – „Nein, ich würde noch weiter gehen und sagen, es handelt sich sogar um eine Triple-Win-Lösung, denn bei diesem Projekt gibt es auch wirklich gar keine Loser, auch keine Lucky Loser“.

Die Gemeinde- und Kantonsvertreter überboten sich heute Morgen an der Medienkonferenz zum kantonalen Asylzentrum in Arlesheim mit Superlativen und schoben sich vor versammelter Medienschar gegenseitig Gratulationen und Dankesformeln hin und her. Gemeinsam fand man kaum Worte, um die Genialität dieses neuen 120-Personen Asylzentrums zu beschreiben.

Die Kommunikationschefin der Gemeinde und der vom Gemeinderat extra beigezogene Kommunikationsberater beobachteten die Show mit zufriedener Miene aus dem Publikum. Mit gutem Grund: Den Medienvertretern schien es zu gefallen. Keine einzige kritische Frage. Nur die Dame vom Regionaljournal wollte wissen, ob das Projekt denn auch Nachteile habe. Gemeindepräsident Zeller schüttelte den Kopf. Und auch als der Wochenblatt-Mann wissen wollte, warum vor drei Monaten an der Gemeindeversammlung zum Werkhof-Neubau mit keinem Wort erwähnt wurde, dass das Siegerprojekt „Caruso“ bereits auch das neue Asylzentrum umfasste, blieb man trocken: „Damals ging es nur um den Werkhof“.

Und nun zu den Fakten: Die Baselbieter Gemeinden sind verpflichtet, Asylbewerber aufzunehmen, und zwar  in der Grössenordnung von max. 0.8% ihrer Bevölkerung. Auf Arlesheim macht das 72 Personen aus. Davon kann das Domdorf 30 in Reinach unterbringen. Da in den vergangenen Jahren in der Regel nicht mehr als 30 Asylbewerber zu betreuen waren, blieb Arlesheim faktisch eine asylfreie Zone.

Da es nun aber möglich ist, dass in Zukunft aufgrund der weltpolitischen Lage die Arlesheimer Quote voll ausgeschöpft werden muss, wären also max. 42 Personen  (72 – 30 in Reinach) in Arlesheim aufzunehmen. Dies belastet die Verwaltung, die Sozialbehörden und die Schulen. Und das will man in Arlesheim nicht. Deshalb ging der Gemeinderat in die offensive und hat sich beim Kanton um die Übernahme eines Durchgangszentrums beworben. Ein Durchgangszentrum dient als Puffer, in dem die Asylbewerber nach ihrer Verteilung auf den Kanton auf ihre Weiterleitung an die Gemeinden während durchschnittlich 6-8 Wochen warten.

Der Clou: Wenn sich eine Gemeinde bereiterklärt, ein solches Zentrum zu beherbergen, muss sie selber keine Asylbewerber aufnehmen. Zudem übernimmt der Bund die Baukosten von rund 5 Mio., die dann die Gemeinde über 25 Jahre wieder zurückzahlt aus den Mietbeiträgen, die wiederum der Kanton leistet. Zudem erhält die Gemeinde eine Entschädigung für ihre Bereitschaft, dieses Zentrum auf ihrem Gemeindegebiet zu erstellen.

Fazit: Arlesheim kann also mit einem Schlag das Thema Asylbewerber erledigen. Verwaltung und Schulen werden damit auch in Zukunft nicht mit Asylbewerbern „belastet“, weil die Personen im Durchgangszentrum nicht im Dorf integriert werden müssen (das Wort „Belastung resp. Entlastung“ fiel an der PK mehrfach). Der Preis für diesen Deal ist ein „gefälliger Bau“ im Tal, mit dem aber die Gemeinde scheinbar nichts zu tun hat, weil er vom Bund vorfinanziert und vom Kanton betrieben wird. Oder anders gesagt: Statt 0-42 in Arlesheim zu betreuende Asylbewerber will man nun permanent 80-120 Kurzaufenthalter im Durchgangszentrum, „die sich primär im öffentlichen Raum aufhalten werden“ .

Alles paletti also? Auf den ersten Blick schon. Auch auf den Zweiten. Aber spätestens beim dritten Hinsehen wird klar, dass diese super-win-Lösung nur möglich ist, weil der Gemeinderat einmal mehr davon ausgeht, dass Arlesheim nur im oberen Dorfteil stattfindet. Was im Tal passiert, spielt sowieso keine Rolle, Hauptsache im schmucken Dorfkern ist alles piekfein. Interessant wird nun vor allem sein, wie die zahlreichen Anwohner der Quartiere im Tal und in der Schappe reagieren werden. Vielleicht wird sich dann ja doch noch jemand als Loser outen.

Und wenn wir schon bei den Anwohnern sind: Eine Anwohnerinformation sei aus „logistischen Gründen“ erst am Mittwoch möglich, hiess es. Damit erfahren die betroffenen Anwohner also aus der Zeitung von den kühnen Plänen des Gemeinderats in ihrer unmittelbaren Umgebung. Und warum ist das so? Genau: Weil der Raum für die Anwohnerversammlung in der alten Mühle am Dienstag Abend DURCH DEN NÄHKURS BELEGT IST. Und der kommt in Arlesheim ja bekanntlich immer zuerst.

28 Antworten zu “„Es gibt nur Gewinner“: Arlesheim bewirbt sich um ein 120-Personen Asylzentrum”

  1. Baresi 2. März 2010 um 17:43 #

    1. Wie ist denn die Erfahrung in anderen Gemeinden mit Durchgangszentren? Das gibt tatsächlich weniger Ärger als Asylbewerber?

    2. Der Nähkurs hat Vorrang, bez. es gibt in Arlesheim keinen zweiten tauglichen Raum für so was? Ha ha ha

  2. Froschkäfer 2. März 2010 um 17:54 #

    Vielleicht findet sich im neuen Durchgangszentrum noch ein gefälliger Raum für den Nähkurs, wenn nicht genügend Asylbewerber oder NEE’s (=Leute, die sich trotz Nichteintretensentscheid weiterhin hier aufhalten) untergebracht sind?

  3. En Arleser 2. März 2010 um 18:53 #

    Wurde vielleicht bewusst so lange nicht informiert, dass der liebe Bauherr vom Seidentor auch genügend Zeit hatte, seine nicht für Asyl-Nachbarschaft geplanten Wohnungen noch vorgängig zu verkaufen.

  4. gebaeude 2. März 2010 um 19:40 #

    Es hat noch Wohnungen, genug für alle. Fankhauser wird wohl zu den ersten gehören, die dagegen mobil machen.

    @Baresi: Es gibt tatsächlich weniger Ärger. Zumindest in Ramlinsburg. Dort wurden alle versöhnlich und schaurig mitleidig mit den Asylbewerbern, nachdem sie dann wirklich im Dorf waren. Den Ärger gab es nur bevor die Flüchtlinge kamen.

  5. Schappianer 2. März 2010 um 21:33 #

    Wohnen selbst auch in der Schappe, und lach mich irgendwie kaputt ab den tollen Bloggs (bzw. das Lachen bleibt im Halse stecken). Kompliment! Bin irgendwie ziemlich sprachlos über das Ganze, und froh darüber, dass wir in nächster Zukunft von hier wegziehen. Das Tal hätte wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient von da oben. Aber nun haben sie ja den super-clou gelandet, so what? Die (wenigen) Seidentor-Käufer können einem leid tun. Jänu, Hauptsache, wir haben einen Nähkurs um die Ecke.

  6. Baresi 2. März 2010 um 22:42 #

    Gut, die Seidentor-Käufer können einem so oder so leid tun.

  7. mighty mouse 2. März 2010 um 22:44 #

    War ja klar, dass beim Thema „Asyldurchgangsheim“ (was ja WIRKLICH ein tolles Wort ist…) die Leute gleich wegziehen wollen. Die Schappe scheint genau so zu sein, wie sie von aussen den Anschein erweckt: Ein in sich abgeschlossenes Biotop, welches ja nicht gestört werden will…. wie wohl die anderen „unten“ wohnhaften Menschen darüber denken?

  8. craig 3. März 2010 um 07:01 #

    Herr Stückelberger, danke, dass Sie sich trauen, diesem Projekt nicht nur zuzujubeln, sondern als einziger auch kritische Fragen stellen. Das Zentrum wird kommen, weil das Tal in Arlesheim keine Lobby hat und die nun auf Nächstenliebe machenden Gemeinderäte alle ihre Villen im behüteten und von allen sozial unerwünschten Einflüssen abgeschirmten Oberdorf haben. Hauptsache, deren Kinder müssen nicht mit Asylbewerberkindern zur Schule. Das wäre ja noch… Ein weiterer zynisch-elitärer Akt der Arlesheimer Exekutive.

  9. Anonymous 3. März 2010 um 07:19 #

    Hat man sich das wirklich gut überlegt? Wenn ich das richtig verstehe müsste Arlesheim ohne solches Zentrum immer höchstens nur eine Handvoll Asylbewerber aufnehmen, die 72 sind nur eine Maximalzahl. Einer vom Kantonalen Amt hat gestern am Telebasel gesagt, dass die Zahl der Asylbewerber auch in Zukunft nicht steigen, sondern sich auf dem heutigen Niveau stabilisieren wird. Und auf diesem Niveau hat Arlesheim keine „eigenen“ zu betreuen, sondern nur ihre 30 in Reinach, right?
    Und in dieser Situation will Arlesheim nun freiwillig auf 120 aufstocken, nur weil man dann ein paar Franken spart und die Arlesheimer weiterhin nicht mit Asylbewerbern in Kontakt kommen möchten?
    Das ist entweder eine geniale Lösung oder der brutalste Schuss nach hinten, der sich Arlesheim je geleiset hat.

  10. Arlesheimerli 3. März 2010 um 08:11 #

    @Anonymous, da sag ich jetzt nur „PENG“

  11. Schappianer 3. März 2010 um 08:17 #

    @ mighty mouse: möchte präzisieren, dass wir nicht wegen diesem Heim hier wegziehen, Belastungen gibt es auch so schon genug (Autobahnzubringer mit viel Verkehr und lauten Lastern/Veloweg mitten durch die Wohnstrasse=Kinder können nicht gefahrlos spielen/Industriequartier/weit weg vom Dorf). Wegen dem in-sich-geschlossenen Biotop stimme ich Ihnen absolut zu, das stört uns auch… Und ich habe GROSSES Mitgefühl auch mit den „anderen“ da unten im Tal, die haben einfach gar keine Stimme. Arlesheim ist schlicht zu elitär.

  12. Schoggitalerin 3. März 2010 um 08:34 #

    Tolles Projekt, clever gemacht. Die Wohnqualität im Tal hat damit grad gar nichts zu tun. Zu dumm, nicht wahr Stücki, dass die Idee nicht auf dem Mist der FDP gekarrt werden kann? Noch ein Hinweis am Rande: das Tal war zuerst Feld, dann (auch) Schappe, dann Mehrzweck-Industriequartier, garniert mit sozialem Plattenbau, und erst sehr sehr spät kam die halbwegs vernünftige Wohnarchitektur. Das unsägliche Seidentor-Kitschgefasel vom aufgeblasenen Fankhauser ist dagegen Gegenwart pur. Zum Ignorieren, ganz einfach.

  13. Craig 3. März 2010 um 09:05 #

    Also Frau Schoggitalerin, das meinen Sie jetzt nicht ernst, oder? „Die Wohnqualität im Tal hat damit gar nichts zu tun“. Damit bestätigen sie genau diese zynisch-elitäre Haltung, von der ich weiter oben beschrieben habe. Alle Projektbeteiligten werden ihr bestes geben, damit dieses Zentrum nicht zu Problemen führt, ohne Zweifel, bestimmt auch die Anwohner, die wahrscheinlich eher zu den toleranteren Arlesern gehören dürften. Aber es ist doch auch selbstverständlich, dass ein 120Personen-Asylheim neben einem Wohnquartier auch zu Fragen und Befürchtungen führt. Wenn sie behaupten, die Wohnqualität habe damit nichts zu tun, dann skitzieren sie genau das Bild des offiziellen Arlesheims, das sich am liebsten mit Fussgängerzone, Biogemüsemarkt und Energielabels beschäftigt, daneben aber zu biodekandent geworden ist, um zu spüren, was in Restarlesheim abgeht. Und sie scheinen ziemlich dazuzugehören.

  14. Laufen 2 3. März 2010 um 10:38 #

    Ich finde es unglaublich wie unsere Politiker diesen Deal bejubeln und sich diesen Asylheim schönreden. Beim Kantonsvertreter kann ich das noch verstehen (schliesslich muss er irgendwo „seine Quote“ unterbringen), aber dass sich unsere Gemeindevertreter so vor den Karren spannen lassen, finde ich ein Skandal. Sollten Sie nicht für ihre Gemeinde einstehen?!
    Von wegen „es gibt nur Gewinner“, Laufen hat die Erfahrung bereits gemacht. Die optimistischen Vorhersagen betr. Kriminalität und Integration waren reine Propaganda, Schwarzafrikaner dealten mit Koks (unter anderem wurden Schüler auf dem Heimweg angesprochen!), in den Einkaufsläden wurde mehr geklaut.
    Der Standort Tal darf nicht geopfert werden, Arlesheim sollte zusammenstehen.

  15. Mirreicht's 3. März 2010 um 10:43 #

    Ich dachte man wolle das Tal aufwerten?! Hier wird eine 2- Klassegesellschaft kreiert!

  16. Arlesheimerli 3. März 2010 um 12:56 #

    Da gibt es doch nur eins… die ganze Asylunterkunft bitte ins Dorf. Wenn Arlesheim diesen Deal schon möchte, sollen doch alle etwas davon haben. Ich denke da an das baufällige Gebäude auf dem alten Postplatz…

  17. glasnost 3. März 2010 um 13:47 #

    Glasnost muss wiederholen, was er seit Jahren sagt.
    Der Frischluft- Imam trägt letztlich für diese untaugliche Kommunikation die Verantwortung. Er und sein Politbüro forderten von allen stets „offene Kommunikation“ und „Transparenz“. Wie kläglich versagen die Frischlüftler auch diesbezüglich. Die Einwohner hier tun gut daran in Zukunft – schon am nächsten Wochenende – dieser Parteiung die Quittung zu liefern, indem sie diese bei Wahlen abstraft.

  18. U. Haller 3. März 2010 um 17:27 #

    @ Glasnost
    Was die Art und Weise anbelangt, wie man dieses grundsätzlich vernünftige Projekt den Arleser unterjubeln wollte, gebe ich Ihnen voll und ganz recht. Von unserer Kommunikationschefin habe ich mir einiges mehr erwartet. Und so haben wir gleich zu Beginn einen nur schwer überbrückbaren Graben zwischen denen „da oben“ und den Minderen „da unten“.
    Aber deswegen die Frischluft-Kandidatin, die für diese Panne keine Verantwortung trägt, abzustrafen, ist nach meinem Dafürhalten auch unfair. Vergessen Sie nicht: In nicht allzu ferner Zukunft sind wieder GR-Wahlen. Dann heisst es „Wahltag ist Zahltag“.
    PS Ach, den Eigenmann haben wir übrigens, und zwar ungeachtet seiner Parteizugehörigkeit, bereits gewählt, einfach weil er überzeugt und der geeignetere Kandidat ist. Aber das ist ein anderes Thema.

  19. mighty mouse 4. März 2010 um 21:34 #

    Genau – die bösen Schwarzafrikaner und kriminellen Asylanten. Die machen noch die schöne Schappe kaputt…. am besten raus mit allen Nicht-Schweizern!

    Oder wie genau waren obige Kommentare gemeint, Laufen 2? Sind wir hier in der tiefsten Provinz oder in Arlesheim, welches sich Weltoffenheit und Toleranz auf die Fahne schreibt?

    Mir grauts…

  20. Fragender 4. März 2010 um 22:34 #

    wie wäre der Stadort zwischen Sonnenhof und Dom, die alten Baracken sind ja grausig und der Parkplatz wird ja nur am 1. August gebraucht. Wenn wir schon von Integration sprechen, dann richtig.- im Dorf und nicht im Gewerbegebiet-! Zudem wird ja in Kürze das Regionalgefängnis nicht mehr gebraucht (Neubau in Muttenz), also hier hätte es ja schon eine Infrastruktur, wieso ein teurer Neubau. Minergie hin oder her…..

  21. Arlesheim 10. März 2010 um 13:58 #

    mighty mouse, doch nicht gleich über’s Ziel hinausschiessen. Ich verstehe das. Es ist doch einfach naiv den Befürworten alles zu glauben. Natürlich hört man von dieser Seite immer nur positives, alles nette Menschen und Angst sei ja nur ein Vorurteil. Aber diese Schwarzen Schafe gibt es halt wirklich (hören sie sich einmal ein wenig um bei Anwohner vergleichbarer Durchgangsheimen). Es geht ja hier nicht darum, keine Asylanten aufzunehmen, aber ehrlicherweise frage mich schon, ob so ein Durchgangsheim direkt neben einer Wohnsiedlung stehen sollte.

  22. mighty mouse 10. März 2010 um 18:20 #

    Genau. Wir stellen das Durchgangsheim weit in die Industrie, wo die Asylsuchenden noch weiter marginalisiert werden und damit noch viel leichter dem Vorurteil entsprechen. Das macht dann auch die nachfolgenden Diskussionen einfacher.

    Wir glauben weder den Befürwortern noch den Gegnern, aber bei den hier geäusserten Kommentaren kommt einem doch die Galle hoch. Schwarze Schafe sind seit der Plakatkampagne einer in Arlesheim nicht nennenswert vertretenen Partei sowieso tabu – und Drogendealer sind gerne auch mal weisser Hautfarbe und haben einen Schweizerpass.

    Was ist ein Durchgangsheim denn anderes als eine Wohngelegenheit? Wo sonst soll es denn stehen als neben einer Wohnsiedlung?

  23. Arlesheim 11. März 2010 um 09:10 #

    mighty mouse, sie sollten sich vielleicht einmal mit dem Unterschied Asyldurchgangsheim und einer „normalen“ Asylunterkunft auseinandersetzen. Ich gebe Ihnen recht, dass bei einem „normalen“ Asylheim die Integration eine zentrale Rolle spielt, aber hier geht es um ein Durchgangsheim, d.h. ein Asylbewerber kommt für max. 6 Wochen bevor der nächste seinen Platz einnimmt.
    Ein Asylunterkunft ist nicht anderes als eine Wohngelegenheit, allerdings bewohnt von Menschen die eventuell mit 6 Wochen Aufenthalt nicht unbedingt die gleichen Interessen was Wohnumfeld (und ev. auch Verhalten) haben wie Mieter und Eigenheimbesitzer des Tals.
    Ihren Vergleich verstehe ich nicht, denn leider können wir nicht darüber abstimmen, ob wir weisse Drogendealer möchten od nicht und wir können auch nicht darüber abstimmen, ob es unter den Asylbwerbern schwarze Schafe gibt od nicht. Aber wir werden darüber abstimmen müssen, ob wir einen 25 Jahresvertrag mit dem Kanton eingehen, der ganz bestimmt darauf bedacht ist, uns nur die Vorteile eines Durchgangsheim darzustellen.
    ..mich würde einmal interessieren von welcher Gruppe sie eigentlich der Pressesprecher sind? „Wir glauben weder..“
    Wer ist „wir“? Eigentlich schreibt man in einer solchen Diskussion doch eher seine eigene Meinung.

  24. Jakob Rohrbach 29. März 2010 um 22:15 #

    Ich stelle mir vor, dass ich in der Schweiz Asyl beantrage und z.B. in diesem Arlesheimer Durchgangsheim „parkiert“ werde. Ich nehme an, die genauen Bestimmungen sind mir leider nicht bekannt, dass die „Parkierten“ in diesem Durchgangsheim nicht eingeschlossen werden, sondern zumindest tagsüber ihren Ausgangsbereich haben. Wo würde ich also hingehen? Mit Sicherheit würde ich nicht im Tal bleiben, sondern es würde mich dorthin ziehen wo das Leben pulsiert oder zumindest wo ich denke, dass es pulsieren sollte: Am Postplatz oder am Bahnhof in Dornach. Mit Sicherheit würde ich als „Parkierter“ nicht im Tal bleiben wollen. Keinswegs will ich nun den Talbewohnern Hoffnung machen oder den Dörflern Angst, es ist einzig meine Überzeugung, dass es mehr „Parkierte“ an den eigentlich nicht zum parkieren vorgesehenen Plätzen haben wird. Insofern geht der Schuss vielleicht tatsächlich verzögert nach hinten los?

  25. Christian M. 13. April 2010 um 09:34 #

    Vielleicht sollte mighty mouse & co. das Interview in der NZZ am Sonntag von Herrn Alard du Bois-Reymond (Direktor des Bundesamt für Migration) vom 11.04.2010 betr. Asylgesuche in der Schweiz lesen, anstatt die Augen vor der Realität zu verschliessen.
    Alard du Bois-Reymond: „..die Nigerianern haben letztes Jahr mit fast 1800 Asylgesuchen am meisten Anträge gestellt – 99,5 Prozent von ihnen ohne die geringste Chance, in der Schweiz bleiben zu können. Sie kommen nicht als Flüchtlinge hierher, sondern um illegale Geschäfte zu machen..“

  26. Farbstift 24. April 2010 um 07:43 #

    @Rohrbach: Diese Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Wenn mit dem Durchgangsheim schon ein Vorzeigeobjekt realisiert werden soll, dann müsste auch die Tagesstruktur der Bewohner überdacht werden. Diese Menschen sind nirgens eingebunden und haben nichts zu tun. Beschäftigung und Sprache sind zwei Stichworte, die ich in die Diskussion einbringen möchte.

  27. Anonymous 6. August 2010 um 11:44 #

    Darf ich fragen, warum einem die Seidentorkäufer leid tun können? Haben uns wohl bisher etwas blauäugig für das Projekt interessiert…

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  1. Pantalones Poetik » Die Mauer - 3. März 2010

    [...] Pantalone (Jürg Seiberth)  ist nicht unbedingt ein Gegner eines kantonalen Asylzentrum in Arlesheim, aber die Art und Weise, wie das den Unterarlesheimern aufs Auge gedrückt wird, macht ihn rasend. Dieses Win-win-win ist sowas von verlogen! – Was haben wir nicht alles  “gewonnen” in den letzten Jahren: mehrere Umfahrungsstrassen, Bahn, Tram, Fluglärm, Mobilfunkantenne, Hochspannungsleitung der SBB. Und ab Mai kommt der Zweigleisausbau der BLT am Stollenrain. Der Stollenrain wird monatelang gesperrt, die Haltestelle wird verlegt und es entsteht eine Mauer von 4.5 Metern Höhe. Die Mauer! Alles, was unterhalb der Mauer liegt, ist Unterarlesheim oder kantonales Niemandsland.Pantalone gehört übrigens zu den talseitigen Anwohnern der Birseckstrasse. Wir brauchen dringend eine Unterarleser-Lobby! (Mehr zum Thema bei Stücki) [...]

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