Ein Theater aufführen

11 Okt

Das Baselbiet wird im nächsten Halbjahr ein ordentliches Theater ums Theater erleben. Und darum geht es: Der Landrat hat am 23. September 2010 beschlossen, die Beiträge des Baselbiets an das Theater Basel während der Subventionsperiode 2011 bis 2015 zu erhöhen. Pro Jahr macht das zwischen drei und fünf Millionen Franken aus. Insgesamt beträgt die Baselbieter Subvention während der gesamten Periode 33 Millionen. Zum Vergleich: Basel Stadt bezahlt total 120 Millionen, zusätzliche Leistungen wie z.B. Liegenschaften nicht eingerechnet.

Gegen diese Erhöhung der Theatersubvention um durchschnittlich 4,25 Millionen pro Jahr hat ein überparteiliches Kommittee aus SVP und FDP-Vertretern das Referendum ergriffen. Die Argumentation: Alles viel zu teuer; es drohen deswegen Steuererhöhungen; Baselland müsse “Luxus-Transferzahlungen” an den Kanton BS leisten, der “Begehrlichkeiten ohne Ende” stelle; der “hohlen Hand im Baselbiet” der Basler Kulturinstitutionen sei endlich Einhalt zu gebieten und überhaupt: “Was dieses Theater aufführt gefällt den Wenigsten” (Der Kommafehler gehört zum Zitat).

Vor allem beim letzten Argument läuft es einem kalt den Rücken hinunter, namentlich wenn man bedenkt, dass dieser Referendumstext zeitgleich mit der Verleihung der Internationalen Auszeichnung “Opernhaus des Jahres” (zum zweiten mal in Folge) veröffentlicht wurde.

Nun stellt sich die Frage, ob diesem Referendum finanzielle Bedenken oder grundsätzliche Vorbehalte gegen das Theater zugrunde liegen. Ich fürchte Letzteres. Denn die Sorgen um den Staatshaushalt sind angesichts der angespannten Finanzlage unseres Halbkantons zwar durchaus berechtigt. Nur: die gut vier Millionen pro Jahr liessen sich andernorts einsparen, z.B. bei den vergoldeten Trotoirrändern.

Wer also den zusätzlichen Finanzbedarf des Theaters Basel (der übrigens im Basler Grossen Rat sogar von der SVP anerkannt wurde!) grundsätzlich bestreitet und das Theater insgesamt als “Luxus”, “Nice to Have” und “Kulturinstitution für eine kleine Minderheit” bezeichnet, hat sich längst von der finanzpolitischen Diskussion verabschiedet und nutzt diese Gelegenheit, um seine Abneigung und sein Unverständnis für die Bedeutung dieser Institution zum Ausdruck zu bringen. Und genau davon möchte ich mich als urban orientierter Liberaler aus der Birsstadt in aller Form distanzieren. Für mich ist die Ausstrahlung und die Bedeutung des Theaters als kulturelle Leitinstitution für die gesamte Region sowie sein unverzichtbarer Beitrag für die hohe Standortattraktivität des Wirtschafts- und Lebensraums Basel und Baselland unbestritten. Und nicht nur deshalb: Hier drücken.

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2 Antworten to “Ein Theater aufführen”

  1. U. Haller 12. Oktober 2010 at 08:38 #

    Dass sich zudem viele Liberale mit der SVP ins Bett legen und fast dieselbe unterste Schublade ziehen, das ärgert mich zutiefst. Tja, wahrscheinlich nimmt die werte Bevölkerung jenseits der Hülftenschanze doch etwas zu wenig Kenntnis von der Befindlichkeit stadtnaher und urbaner Wähler und Steuerzahler (sic!). Aber als guter Demokrat nehme ich selbstverständlich das dannzumalige Verdikt des Souveräns gelassen an.

  2. ein Basler 13. Oktober 2010 at 09:10 #

    Danke Balz! Den Steilpass den die Parteileitung für deine politische Karriere hinlegt mag ich dir herzlich gönnen, den hast du verdient.
    Auch mich ärgert es, dass offenbar noch immer einige FDP ler der Meinung sind, sich mit der SVP gutstellen zu müssen, obwohl diese in wesentlichen Punkten das Gegenteil von liberalem Gedankengut vertreten. Lohnen tut sich das m.M. auch nicht, es schwächt die FDP in ihren Positionen eher.
    Also bitte weiter so, Balz, die FDP ist nicht kulturfeindlich sondern kostenoptimierend.

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