Mehr als eine Bank

4 Mai

Ich muss jetzt mal was klarstellen, weil ich erst kürzlich wieder danach gefragt wurde: Ich werde mich aus der Gemeindepolitik nicht verabschieden, Landrat hin oder her. Dorfpolitik ist eine Leidenschaft. Und deshalb gilt das Hauptaugenmerkt dieses Blogs auch weiterhin dem Geschehen im Domdorf. Denn es sind die kleinen Geschichten und hübschen Details,  die Politik erlebbar und erklärbar machen.

Beispiel: Die in den letzten Wochen und Monaten montierten Sitzbänke. Ja, das ist ein Politikum! Darüber spricht man, dazu hat jeder eine Meinung. Und sie eignen sich zur Illustration der dorfpolitischen Dimension eines einfachen Tagesgeschäfts (und wahrscheinlich auch zur Beschreibung der Sorgenlage in der schönsten aller Vorortsgemeinden).

Hintergrund ist die Erkenntnis aus der Altersstrategie, dass es mehr Sitz- und Ausruhgelegenheiten für die immer älter werdende Einwohnerschaft braucht. Deshalb sind sie nun da, die ersten drei von etwa zehn Zusatzbänken. Und die Diskussionen gehen los: Sie sind zu schön und zu teuer oder sehen zumindest zu edel aus für den öffentlichen Raum; mehr noch: sie sind ein Sinnbild der Geldverschleuderung und ein Vorbote von unvermeidbaren Steuererhöhungen. Hört man.

Das muss man natürlich ernst nehmen, gerade als Angehöriger einer Partei, die sich für Ausgabendisziplin und tiefe Steuern stark macht. Konkret: So eine Arlesheimer Bank kostet etwa 3000 Franken, Montage durch den Werkhof noch nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Eine 0815-Sitzgelegenheit gibt’s für einen Drittel dieses Preises. Das ist dann allerdings eher das Modell “Rossano” in PVC-Ausführung und keine Design-Konstruktion aus gebürstetem Edelstahl mit vandalisierungssicherer Holzbelattung.

Ist das nun Geldverschleuderung? Nein. Denn in Arlesheim sagt man sich, dass hier alles ein bisschen schöner sein soll als anderswo. Und genau die Summe dieser netten Details macht dann das Gesamtbild aus, das man von Arlesheim hat. Und das wiederum zieht gute Steuerzahler an oder hält solche bereits hier wohnenden bei Laune und erfreut auch alle andern Arlesheimer. Weil man es – meist unbewusst – halt einfach schätzt, dass hier zum Beispiel die Sitzbänke etwas anders aussehen. Hinter der Anschaffung einer einfachen Sitzbank stehen also sowohl gesellschafts-, finanz- und standortpolitische Überlegungen. Und genau deswegen schätze ich auch die Dorfpolitik.

Setzen! Neue Sitzbänke in Arlesheim

4 Antworten zu “Mehr als eine Bank”

  1. Christine Pezzetta 4. Mai 2011 um 09:32 #

    Hmmm, du meinst also, der Aufschwung beginnt mit der Bank… das wäre also dann der Durchbruch für Münchenstein? Ich werde sofort an der nächsten Gemeindeversammlung beantragen, dass unsere 70-er-Jahre-Betonbänke adäquat ersetzt werden. Es beginnt alles mit kleinen Schritten ;-)

  2. Giorgio Lüthi 5. Mai 2011 um 16:36 #

    @Christine: liegt’s am schönen Wetter? Oder liegt‘s am guten Steuerklima? Oder am kulturellen Engagement der Arlesheimer? Jedenfalls ist es schon erstaunlich, dass nun auch in unserem Nachbardorf Ruhebänke ein Thema sind.

    Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich erinnere mich an die groteske Geschichte der jahrelangen Irrfahrt eines Bänkleins durch die Bürokratie der BÜRGERgemeinde Münchenstein (vielleicht kennt der eine oder andere die Geschichte vom verschupften Bänklein. Wir berichteten damals in der Printausgabe „DerMÖNCH“ – es gab ja noch keine Blogs!)
    Also Christine: bedenke bevor du Antrag stellst, dass sich die Geschichte oft wiederholt…

    Sommer 1998 war‘s. Eine Frau, die oft mit ihren zwei Hunden der Birs entlang spazierte, vermisste am linken Birsufer der Münchensteiner Holzbrücke eine schattige Sitzgelegenheit am Wasser. So stifte sie eine schöne Naturholzbank, auf der die Namen ihrer Hunde (Germaine und Beni) eingeschnitzt waren. Der damalige Bauverwalter fand das eine super Idee und so wurde die Bank am Gründonnerstag 1999 am gewünschten Ort aufgestellt. Die Stifterin freute sich riesig über die unbürokratische Erledigung ihres Wunsches und sie genoss mit vielen anderen Spaziergängern die neue schattige Sitzgelegenheit. Doch die Idylle dauerte nur ein Jahr. Die Bürgergemeinde reichte als Besitzerin dieses Abschnittes, beim Kantonalen Forstamt eine Beschwerde ein. Grund: „Aufstellens einer nicht forstlichen Kleinbaute“ (so heisst es in den Paragraphen).
    Der damalige Gemeinderat ersuchte darauf den Bürgerrat formell um die Bewilligung zum Aufstellen des Bänkleins. Doch nichts da! Die Bürgergemeinde und das Forstamt liessen sich nicht umstimmen. Das Gesuch wurde abgelehnt und die Bank im Sommer 2011 wieder abmontiert. Der Bürgerrat befürchtete, das Aufstellen des Bänkleins würde vermehrte Unruhe in die Uferzone bringen. Das wäre, so der Bürgerrat, den naturschützerischen Bestrebungen zur Revitalisierung der Birs und dem Projekt „Hallo Biber“ abträglich. Gute 6 Monate später konnte man dann im Wochenblatt lesen, dass bei der Birsrenaturierung zwischen Grellingen und Zwingen Bänklein aufgestellt wurden. Warum denn? Tja, eben zur Beobachtung sich eventuell ansiedelnder Biber! Aber das sind offenbar andere Biber.

    Ach ja: Das verschupfte Bänklein hat schon längstens seinen Platz gefunden, am hindernisfreien, ebenen Spazierweg unterhalb des Altersheim Hofmatt, dem «Seniorenwegli». Geeignet zum Ausruhen, aber auch zum Nachdenken über Seldwyla in Münchenstein.

  3. Wähler 6. Mai 2011 um 07:04 #

    Heiliger Strohsack! Welcome back in Arlese, Duo Lüthi / Pezzetta!

    Ein Schelm, wer wettet, dass bald wieder ein Wahlkampfzüglein losfährt um die Arleser zu bezirzen?

  4. U. Haller 6. Mai 2011 um 10:17 #

    Gemach, werter Wähler, die Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird. Also ich selbst lasse mich schon mal nicht bezirzen, von keinen Presis dieser Welt. Und so wie ich das Domdorf-Team kenne – und ich kenne es weiss Gott nicht so schlecht – wird es auch künftig keinen von Ihnen angetönten Schalmeienklängen erliegen, sondern mit gesundem Menschenverstand den bewährten Arleser-Weg beschreiten. Wait and see…

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