Schon wieder: “Nimm zwei” funktioniert einfach nicht

18 Jun

Historisches geschah heute in Arlesheim: Die Kandidaten der Elternplattform landeten bei den Wahlen in den Primarschulrat auf den Rängen fünf und sechs.

Damit ist die 1991 gegründete Gruppierung für Bildungsfragen nicht mehr im Primarschulrat vertreten. Das ist eine “bittere Pille”, kommentierte die Elternplattform kurz und knapp auf Twitter.

Wie konnte das passieren?  Ganz einfach: Die haben sich verspekuliert.

Bei Majorzwahlen ist es matchentscheidend, dass eine Partei ihr Potential richtig einschätzt. Will man zuviel, fliegt man raus. Das musste im Frühling bei den Gemeindewahlen auch die CVP schmerzhaft erleben. “Nimm zwei” kann schnell in “erhalte null” umschlagen, wenn sich zwei Kandidaten gegenseitig kanibalisieren und das Fundament der Wählerschaft für zwei Sitze einfach zu schwach ist.

Die Elternplattform litt aber auch unter der tiefen Stimmbeteiligung. Nur gerade 1’710 Arlesheimer oder  28% der Stimmberechtigten füllten den Wahlzettel aus. Das sind ganze 1’000 weniger als bei den kantonalen und eidg. Abstimmungen. Offenbar haben sich also nur die wirklich Interessierten um die Schulratswahlen gekümmert, wozu vor allem die Stammwähler der Parteien zu zählen sind. Und hier zeigt sich nun halt einfach der Vorteil einer Partei gegenüber einer losen Gruppierung: Die Partei kann überzeugen und mobilisieren. Die Gruppierung kann nur überzeugen. Und auch das gelang der Elternplatform offensichtlich nicht.

Ganz weg vom Fenster ist die Elternplattform allerdings nicht: Im Sekundarschulrat sitzt neu Simon Schweizer. Dort gab es stille Wahlen, weil sich die Parteien auf drei Kandidaten für die drei Sitze einigen konnten.

Beim Primarschulrat schienen stille Wahlen übrigens lange Zeit auch möglich. Dieses stille Szenario hätte der Elternplattform einen Sitz garantiert…

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7 Antworten to “Schon wieder: “Nimm zwei” funktioniert einfach nicht”

  1. Thomas Keller 18. Juni 2012 at 10:18 #

    Für stille Wahlen hatten wir Hand geboten, leider ging dieser Schuss aus unserer Sicht nach hinten los. Da haben wir als “unpolitische” Gruppierung (oder wie sagt man “Nicht-Partei” ohne Verneinung?) wohl zu wenig Gespür für die politischen Feinheiten, die in solchen Absprachen mitspielen sollen…
    Das Resultat ist tatsächlich “historisch”, weil sich der Schulrat nun, wie du richtig schreibst, zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren komplett aus parteigebundenen Mitgliedern zusammensetzt und wir als unabhängige Gruppierung nicht mehr dabei sind.
    Ob wir uns nun verspekuliert haben oder nicht, darüber können wir gerne an anderer Stelle diskutieren – ich glaube, dass wir eher ein Problem haben mit der Wahrnehmung dieser Wahlen (siehe Stimmbeteiligung) und dass deshalb die etablierten Parteien auf ihre streuen StimmgängerInnen zählen konnten (welche wir in dem Sinne halt nun mal nicht haben).
    Es ist bitter, aber wir lassen uns nicht kleinkriegen, keine Angst :)

  2. Markus Eigenmann 18. Juni 2012 at 19:28 #

    @Thomas: Nach meiner bisherigen Erfahrung gibt es keinen grundlegenden Unterschied zwischen “parteigebundenen” Mitgliedern des Schulrats und solchen, welche einer “unabhängigen Gruppierung” angehören. Die “Parteigebundenen” sind genauso frei in der Ausübung ihres Mandats wie die Mitglieder der Elternplattform.
    Das Ergebnis hat mich in seiner Deutlichkeit ebenfalls überrascht. Vielleicht ist es aber der Anstoss dazu, dass sich die Elternplattform neu erfindet: Ich würde eine Öffnung gegenüber Mitgliedern der politischen Ortsparteien begrüssen, im Sinne einer breiten Vereinigung von Einwohnerinnen und Einwohnern, welche an Bildungsthemen interessiert sind. Sollen wir die Idee gelegentlich mal diskutieren?

  3. Arleser 19. Juni 2012 at 08:09 #

    Hinweis: Es sind NUR Eltern in den Primarschulrat gewählt worden. Das ist doch ein prima Ergebnis! Das muss doch die Elternplattform freuen!

  4. Thomas Keller 19. Juni 2012 at 19:34 #

    @Markus: Wir sind als politisch unabhängiger Verein für alle offen. Es gibt natürlich Grauzonen, z. B. wenn jemand für die Elternplattform als Schulrat kandidieren möchte und gleichzeitig Mitglied einer Partei ist – dann wird das mit “unabhängig” so eine Sache. Abgesehen davon sind und waren wir immer “offen” – insofern verstehe ich deinen Vorschlag nicht ganz (sprich – du kannst gerne zu uns kommen, wenn du möchtest ;)
    Im Übrigen, und darauf haben wir im Vorfeld auch hingewiesen, glaube ich schon, dass es einen Unterschied zwischen einer unabhängigen Gruppierung und einer Partei gibt. Was wir regelmässig erleben im Vorstand sind Diskussionen zwischen Leuten ganz verschiedener politischer Couleur – denn unser Vorstand hat (in klassischen politischen Dimensionen) das Heu keinesfalls immer auf der gleichen Bühne. Ich bin absolut davon überzeugt, dass dies ein grosser Vorteil ist, denn wir sind eben nicht “liberal” oder “konservativ” oder “sozialdemokratisch” – sondern wir sind sozusagen gezwungenermassen sachpolitisch, ansonsten würden wir gar nicht funktionieren. Hier mag sich der Verein seit seiner Gründung gewandelt haben, so wie ich das überblicke – ich bin ja erst seit 6 Jahren dabei.

    Einen ganz persönlichen Nachsatz kann ich mir aber nicht verkneifen: Ich halte den Trend in der Politik, nicht spezifisch in Arlesheim, sondern schweiz- (und sogar welt-) weit für potentiell gefährlich, weil er dazu führt, dass man sich eben nicht mehr sachlich mit wichtigen Themen auseinandersetzt, sondern einfach nur noch mobilisiert bzw. mobilisiert wird (oder anders gesagt – es ist ständig Wahlkampf). Deshalb hast du recht, Balz – eine Partei hat einen Vorteil, denn sie kann mobilisieren, und wir sind im Nachteil, weil wir das nicht können. Und du hast ebenso recht wenn du sagst, dass uns die Überzeugungsarbeit nicht gelungen ist. Ich lasse aber dahingestellt, ob der vermeintliche “Vorteil” der Mobilisierungsmöglichkeit tatsächlich einer ist; ich jedenfalls bin froh, dass wir nicht die ganze Zeit Wahlkampf haben… Wie gesagt – das ist meine ganz persönliche Meinung und hat weder mit der Elternplattform noch mit dir etwas zu tun sondern ganz einfach mit meinen Überzeugungen. Aber da haben wir ja schonmal festgestellt, dass wir uns wohl… bestenfalls komplementieren / ergänzen…

  5. Markus Eigenmann 19. Juni 2012 at 21:05 #

    @Thomas: Genau über die von dir angesprochene Grauzone sollten wir mal sprechen. Es geht dabei darum, wie sehr sich die Elternplattform explizit als Gruppierung von Nichtparteimitgliedern versteht und positioniert. Dasselbe gilt natürlich für auch umgekehrt für die Parteien.
    Persönlich gefiele mir eine Elterngruppierung, welche aus Parteilosen und an der Schule interessierten Mitgliedern der Ortsparteien bestünde. Bei den Wahlen könnte sie alle Kandidierenden (Parteilose und Parteimitglieder) einem “Screening” unterziehen und darauf basierend allenfalls eine Wahlempfehlung abgeben. Ein vielversprechender Ansatz war Eure Analyse im Vorfeld der SR-Ersatzwahl 2009/2010. Eine sehr breit gefasste Elterngruppierung hätte auch zwischen den Wahlen ein grösseres Gewicht als Vertretung der Eltern gegenüber der Schule.

  6. Jakob Rohrbach 21. Juni 2012 at 12:10 #

    Es ist ja nicht so, dass alle Mitglieder der EPLA politisch neutral sind. Zudem politisiert die EPLA automatisch indem sie an Wahlen teilnimmt, auch wenn diese Politik auf ein spezifisches Thema beschränkt ist.
    Das bedeutet aber auch, dass jeder Wähler schlussendlich vor der Entscheidung steht eine Partei (also auch die EPLA) oder eben ausschliesslich die Person zu wählen. Da an dieser Wahl alles sehr valable KandidatenInnen teilgenommen haben, ist das Resultat wohl weniger als politische Wahl, als klare Personenwahl zu betrachten (unabhängig vom Wahlprozedere). Ich bezweifle sehr, dass Mitglieder von Ortsparteien geschlossen Ihre Kandidaten und jene der anderen Parteien wählten und gezielt die EPLA-Kandidaten ignorierten. Wahlen sind immer auch ein wenig zufällig, damit muss man leben können.

  7. Arlesheimer 21. Juni 2012 at 15:57 #

    Dem Herrn Keller von der Elternplattform fehlt das Verständnis, wie die Dorfpolitik funktioniert.

    Gibt es irgendeine Behörde oder eine Kommission in Arlesheim, der es nicht um die Sache geht, die keine Sachpolitik betreibt?

    Nein.

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