Liestalopolis?

22 Jun

In Zukunft darf ich auch in der BaZ hin und wieder meinen Senf dazu geben. Heute erschien der erste Beitrag (PDF: Kolumne 22.6.2012):

Gestern war es wieder einmal soweit. Am Landratspräsidentenfest sang  „Tout Bâle Campagne“ die Hymne der immer fleissigen und lustigen Baselbieter, die jedes Problem erst einmal mit einem „mir wäi luege“ angehen. Ja, beim Baselbieterlied schien die Welt für einen Moment wieder in Ordnung.

Einige mögen sich aber dennoch gefragt haben, ob die besungene Behäbigkeit wirklich eine Tugend ist, oder ob sie nicht eher Ursache von Planlosigkeit und Ineffizienz ist.  Vielleicht ging das 175 Jahre gut, aber „mir wäi luege“ ist kaum der richtige Handlungsansatz, wenn es darum geht, Umfahrungsstrassen zu bauen, Spitäler auszulagern oder den Wirtschaftsstandort zu stärken.

Doch abgesehen von dieser nicht mehr zeitgemässen Gemächlichkeit: Hat das Baselbiet die Kritik der letzten Wochen und Monate wirklich verdient? Stehen wir tatsächlich ohne Ideen und Visionen da? Fahren wir den Kanton echt gegen die Wand? Und ist Liestal zum Athen Helvetiens geworden?

Alles Quatsch! Es mag wenig visionär klingen, aber: Baselland braucht keine neuen Ideen, keinen Neustart, keine Denkpause und schon gar keine Besserwisser. Denn Baselland hat ein sehr banales Problem: Wir brauchen Geld und müssen sparen, und zwar sofort. Jeder Tag, an dem wir uns mit  immer neuen Sparvorlagen herumschlagen, ist ein verlorener Tag für die Weiterentwicklung unseres Kantons. Wer sich nichts leisten kann, kann auch keine politischen Ideen entwickeln und umsetzen.

Wer das nicht wahrhaben will, soll mal nach Arlesheim schauen, wo es gerade umgekehrt läuft. Hier hat vor langer Zeit auch die Linke anerkannt, dass sparsames Haushalten und tiefe Steuern die Grundlage für volle Kassen sind, mit denen sich gezielte Investitionen tätigen und kreative Visionen umsetzen lassen. Seither dreht das Domdorf in der Aufwärtsspirale.

Es ist dieser positive Sog, in den das Baselbiet geraten muss. Davon sind wir aber weit entfernt.

Bleibt also die Frage, wo gespart werden soll, damit es endlich aufwärts geht. Nach dem letzten Wochenende scheint vor allem eines klar: Nach der gut gemeinten Opfersymmetrie funktioniert es nicht. Denn wenn alle ein bisschen betroffen sind, sind auch alle ein bisschen dagegen. Um eine symmetrische Zustimmung zu erhalten, braucht es offenbar ziemlich asymmetrische Sparvorschläge. Das ist unangenehm, aber ehrlich und klar. Nur so wissen die Bürgerinnen und Bürger, wohin die Reise geht. Und nur so schöpfen sie wieder Vertrauen in die Politik.

 

 

 

 

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