Natelantenne neben der Schappe: Einsprachen gutgeheissen

3 Aug

Rote Karte für die Natelantenne am Altenmattweg in Arlesheim: Das Bauinspektorat hat am 30.7.2012 die Einsprachen gegen den Bau einer Orange-Antenne auf einem Gebäude direkt neben dem Schappe-Quartier tw. gutgeheissen und das Baugesuch abgewiesen.

Wir erinnern uns: Orange wollte auf dem Gewerbebau der Firma Distop am Altenmattweg eine Natelantenne errichten. Beim Altenmattweg handelt es sich um die Zufahrt zur Überbauung Seidentor. Er liegt zudem direkt neben dem Schappe-Quartier. Entsprechend gross war der Sturm der Entrüstung: 148 Unterzeichner einer Sammeleinsprache, dazu weitere Einspracheführer, u.a. auch die Gemeinde Arlesheim, Immobilien Basel (als Eigentümerin der Siedlung Schappe) und der Quartierverein Schappe.

Von den zahlreichen Argumenten (Strahlung, Immissions-Kumulation, ausreichende Versorgung, ungenügende Publikation, Nähe zur Reinacher Heide, Anlagenverbot im Quartierplan Schappe etc.) hat letztlich aber nur eines gestochen: Die Verunstaltung des Ortsbildes. Dazu hielten wir damals auf diesem Blog fest:

Die geplante Antenne erscheint aber auch aus weiteren Überlegungen problematisch. Direkt neben dem vorgesehenen Standort befinden sich die “alte Fabrik” und das “Portier- und Speisehaus” der alten Schappe-Spinnerei, die als erste Fabrik des Kantons Baselland in die Geschichtsbücher einging. Bei beiden Liegenschaften handelt es sich um wertvolle Zeitzeugen der baselbieter Industriegeschichte, weshalb das Gesuch auch aus demkmalpflegerischen Überlegungen zu hinterfragen ist.

Was nun auch gemacht wurde: Die Denkmalpflege sieht in der geplanten Antenne eine Verunstaltung der schützenswerten Schappe-Häuser, die “als letzte Zeugen der ersten je im Kanton Basel-Landschaft erbauten Industrieanlage” gelten. Deshalb, so das Bainspektorat, verstösst die Antenne gegen das Verunstaltungsverbot gemäss Art. 7 des kantonalen Denkmalschutzgesetzes.

Allerdings: Die Denkmalpflege lässt eine Hintertür für die Antenne offen. Wenn sie auf dem “nördlichen Drittel des Dachs” platziert und mit einer “an einen runden Kamin erinnernden Verkleidung kaschiert” würde, sähe die Sache möglicherweise wieder anders aus.

Fazit: Glück gehabt! Glück, dass in der Schappe diese schützenswerten Häuser stehen. Denn sonst wäre die Antenne ohne weiteres bewilligt worden, trotz bestehender Antenne, trotz Kindergarten, trotz Familienquartier, trotz Reinacher Heide, trotz allem.

Und: Offensichtlich kann in Einspracheverfahren gegen Natelantennen vor allem der  Ortsbildschutz als Argument mit Aussicht auf Erfolg angeführt werden. Das ist tendenziell gut für beautiful Arlesheim.

Und noch eine Bemerkung in eigener Sache: Es gibt ja Leute, die behaupten, mein persönlicher Konsum erfordere bereits die halbe Sendeleistung einer Hochleistungs-Sendeanlage. Trotzdem habe ich sowohl in eigenem Namen als auch für den Quartierverein Schappe Einsprache geführt. Nicht wegen dem St. Florian-Prinzip. Sondern weil wir in der Schappe bereits mit einer ordentlichen Natelantenne gesegnet sind und uns deshalb mit gutem Grund gegen eine Kumulation solcher Anlagen in diesem Familienquartier aussprechen dürfen.

Dokumente:

-Entscheid des Bauinspektorats: Entscheid 30_7_2012 Bauinspektorat

-Einsprache Schappe Quartierverein: Einsprache Schappe QV

Werden (vorläufig) verschont mit einer Natelantenne in der Nachbarschaft: Schappe-Häuser, Zeitzeugen der Baselbieter Industriegeschichte

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4 Antworten to “Natelantenne neben der Schappe: Einsprachen gutgeheissen”

  1. Jakob Rohrbach 3. August 2012 at 16:00 #

    Lieber Balz

    Ganz herzlich gratuliere ich Euch zum Erfolg. Leider ist dieser “Sieg”, wie ich Deinem Beitrag entnehme, offenbar nur ein halber. Sendeantennen für Mobilfunk sind heute gestalterisch in beinahe jegliche Form möglich und lassen sich so perfekt kaschieren. Da gemäss Deinen Ausführungen offenbar nicht die Antenne, sondern deren Ausgestaltung abgewiesen wurde, dürfte vermutlich die Problematik leider noch nicht komplett vom Tisch sein.
    Aber ich hoffe für Euch, dass die Geschichte hiermit trotzdem zu Ende ist.

    Zitat aus dem Entscheid:
    “- Die Mobilfunkantenne ist auf dem nördlichen Drittel des Daches des Gebäudes Altenmatteweg 5 zu platzieren.
    – Die Antennen MW1 und MW2 sind möglichst tief zu platzieren. Die Antennen U1, U2 und
    U3 sind mit einer Verkleidung, die an einen runden Kamin erinnert, zu kaschieren”

  2. Strahlenmeer 5. August 2012 at 18:46 #

    keine Sorge, Herren Rohrbach et al.; die zutiefst anthroposophieaffine Denkmalpflegerin wird auch gegen kaschierte Astralgefahren ankämpfen.

  3. Sammeleinsprecher 21. August 2012 at 09:40 #

    Erst jetzt habe ich nachgeschaut, wie denn der Entscheid im Amtsblatt publiziert wurde. Nachzulesen im Amtsblatt Nr. 32 vom 9. August http://www.baselland.ch/fileadmin/baselland/files/docs/amtsblatt/bauges/bg2012-08-09.pdf: “Mit Entscheid vom 30.07.2012 hat das Bauinspektorat die Einsprachen gegen das Baugesuch Nr. 0656/2010 (Bauherrschaft: Orange [...]) abgewiesen.”

    *Kopfkratz*, was soll denn das nun heissen, “Einsprachen abgewiesen”?

    Telefonische Nachfrage in Liestal: Frau Scheynen bestätigt, dass es eine offensichtliche Falschformulierung ist. Man werde “intern” schauen, was zu tun sei … Am besten kaschieren wir diese amtliche Ente doch einfach auch mit einer “Verkleidung, die an einen runden Kamin erinnert” …

  4. Balz Stückelberger 21. August 2012 at 12:08 #

    Sehr schön! Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich beim Sammeleinsprecher dafür zu entschuldigen, dass in den Medien der Eindruck entstanden ist, der Schappe-Quartierverein hätte die Sammeleinsprache eingereicht. Das habe ich selbstverständlich nie gesagt und es steht auch nicht so im Entscheid. Der Schappe-QV hat “für die Bewohner” eine Beschwerde eingereicht, aber eben nur eine. Daneben gab es aber 148 Beschwerden, die vom Sammeleinsprecher koordiniert wurden. Aber das war offensichtlich schwierig auseinanderzuhalten…
    Vielen Dank!

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