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Rauchzeichen am Domplatz

14 Feb

Im Gmeini-Headquarter am Domplatz hat es heute ordentlich geraucht. Ein Kabelbrand im Keller war gemäss Polizei die Ursache.

Andere behaupten, der Hitzestau eines amtierenden Gemeinderates sei der Auslöser gewesen. Grund für die temporäre Überhitzung sei der Frust über ”seinen Saal”, der halt leider “unser Saal” heisst, weil er auch tatsächlich unser Saal ist. 

Wer den Wochenblatt-Artikel der Mittepartei zum Saalbau von Arlesheim gelesen hat, bekommt eine vage Vorstellung von den Temperaturen, die in der CVP-Zentrale herrschen müssen. Da geht es nur noch um die Frage, wer den Saal erfunden hat und wer nun applaudieren darf: Der Gemeinderat sicher nicht, die Frischluft auch nicht und die FDP schon gar nicht. Der Saal sei ganz allein eine CVP-Erfindung.

Pro Memoria: Die CVP stellt aktuell einen von sieben Vertretern im Gemeinderat.

Fakt ist: Die Saal-Idee wurde vom Gemeinderat entwickelt und bisher von allen Parteien vorsichtig-positiv bewertet. Unser Saal scheint also tatsächlich zu unserem Saal zu werden und nicht zu einer “CVP honoris causa memorial hall”.

Und: Einem so grossen Saal sollte man mit etwas mehr Grösse begegnen.

PS: Nach dem Brand am Domplatz sei das Gemeindehaus ordentlich durchgelüftet worden, schreibt die Polizei. Der Frischluft-Bedarf scheint damit auf absehbare Zeit gedeckt zu sein.

Arleser Zeedel

13 Feb

Arleser Wahlwerbung 2012. Rechts im Bild die Wahlanleitungen von CVP und FDP im Direktvergleich. Es kommt halt immer darauf an, was man seinen Wählern zutraut.

In den nächten Tagen flattern die Wahlunterlagen der Dorfparteien ins Haus (die natürlich wie immer ganz harmonisch gemeinsam verpackt wurden). Ein erster Blick auf die Prospekte und Flyer zeigt, dass die Parteien einen ziemlichen Aufwand betrieben haben, um sich in bestem Licht zu präsentieren, oder eben so, wie sie das für gut halten.

Insgesamt ein eher guter Jahrgang also, rein optisch betrachtet.

Die SVP fällt etwas aus dem Rahmen mit einem sehr schlichten, aber bewährten und sofort erkennbaren Konzept und lediglich zwei Gemeindekommissionkandidaten. Dafür liefern sie ein Wahlprogramm, das die restlichen Parteien auch gleich mitunterzeichnen könnten: Man ist natürlich für ein attraktives Arlesheim, für die Jugend, für Familien, für ältere Menschen, für weniger Abgaben und sogar für nachhaltiges Handeln zugunsten der Umwelt und für den Erhalt der Grünflächen. Ja, im Wohlfühl-Biotop Arlesheim ergrünt sogar die SVP.

Gleich mit zwei Flyern steigen die Grünliberalen ins Rennen, die zum ersten mal an kommunalen Wahlen teilnehmen. Ihr Spitzenkandidat ist Jakob Rohrbach, der sich auf dem Bild ganz stachelig unrasiert zeigt. In natura agiert er aber ganz kuschelig, in dem er sich im Wochenblatt für seine Kandidatur quasi entschuldigt und erklärt, dass seine Teilnahme an den Wahlen also auf keinen Fall gegen jemanden gerichtet sei. Aber man könne ja auch mal ihn wählen, ohne deswegen jemanden anderes weniger lieb zu haben.  Da dürfte er die Ellbogen durchaus noch etwas rausfahren, andere haben sie auch schon weit draussen. Dafür dürfen die Grünliberalen für sich in Anspruch nehmen, dass die gesamte Parteibasis für die Gemeindekommission kandidiert: Es sind fünf Kandidatinnen und Kandidaten aufgeführt. Bemerkenswert: Im GLP-Flyer kommt das Wort Arlesheim total drei mal vor, davon zwei mal in der Adresszeile.

Und dann die CVP: Sie kommen mit einem kontrovers diskutierten, aber autentischen Portrait der Gemeinderatskandidaten und liefern statt einem Parteiprogramm die wohl längste je geschriebene Wahlanleitung (meine Lieblingsstelle: “bewahren Sie unsere Wahlinformationen auf, bis Sie gewählt haben”. Ja, in der heutigen Zeit vergisst man eben schnell. Und überhaupt: Die CVP Wahlinformation kann man gut auch nach den Wahlen noch gebrauchen, als Staatskunde-Lehrmittel). Sie konnten 12 Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeindekommission auf die Liste prügeln motivieren, steigen dafür mit zwei Kandidaten in den Gemeinderats-Ring (Slogan “Nimm zwei”).

Die SP liefert den kleinsten Flyer, der eigentlich gut gemacht ist, bis auf das leider unscharfe Bild von Gemeinderatskandidatin Anet Spengler. Zudem ist es etwas suboptimal, wenn beim Wahlkampfthema “der rote Faden” eben dieser rote Faden nicht klar ersichtlich ist. Dafür gibt es einen roten Schirm. Die Kandidierenden glänzen mit konkreten Aus- und Ansagen. Zum Beispiel Severin Jufer, der zur Frage des neuen Vereinssaals zu Recht feststellt, dass “Kultur durch Menschen entsteht, die Ideen haben, nicht durch neue Prunkgebäude”. Die SP präsentiert übrigens die jüngste GeKo-Liste, was für die Nachwuchsarbeit der Genossen spricht. Am anderen Ende der Skala liegt die CVP, bei der das Thema Alter Programm zu sein scheint. Einer ihrer Gemeinderatskandidaten wurde kürzlich im Wochenblatt als Vertreter der old economy gefeiert, wobei auch der andere eine Art “old economy” betreibt.

Bleiben noch Frischluft und FDP, die als einzige je mit einer vollen 15er Liste für die Gemeindekommission und je drei Kandidierenden für den Gemeinderat antreten. Die beiden dominierenden Parteien führen den aufwändigsten Wahlkampf. Immerhin geht es um die Frage des Platzhirschs: Wer stellt die stärkste Vertretung im Gemeinderat (bisher FDP) und wer ist die wählerstärkste Partei (bisher Frischluft).

Der Prospekt der Frischluft ist wie immer schön gestaltet. Allerdings fällt auf, dass das Erscheinungsbild der Partei immer jünger wird, je älter ihre Kandidierenden werden. Die Frischluft hat die meisten Amtsjahre der Bisherigen auf dem Zähler und präsentiert damit eine frisch verpackte Sesselkleber-Liste. Weniger gut, weil gar nicht vorhanden, ist die Website der Frischluft. Die im Prospekt angegebene Site ist noch auf dem Stand von 2009. Dafür gibt einen notdürftig gebastelten Blog. Irgendwie ist da der Wurm drin. Immerhin präsentiert die Frischluft für die Gemeindekommission ein paar neue Gesichter.

Gleiches gilt für die FDP, die am meisten neue Kandidierenden im Angebot hat und die zweitjüngste Liste präsentiert. Das kann man – vor allem bei der Gemeinderatsliste – als mutig betrachten, ist aber vor allem ein Sinnbild für die Aufbruchstimmung in dieser Partei. Verschiedentlich wurde bedauert, dass die FDP keine Frau auf der Gemeinderatsliste hat. Das ist so. Als liberale Partei folgt die FDP aber keiner Frauenquote, sondern darf für sich in Anspruch nehmen, dass sie – seit ich denken kann – immer mit mindestens einer Frau im Gemeinderat vertreten war. Ganz im Gegensatz z.B. zur Frischluft, die es in 20 Jahren nicht geschafft hat, eine Frau in den Gemeinderat zu bringen.

Arleser Cabarettli

12 Feb

 

Arleser Cabarettli 2012. Eigentlich eine Pflichtveranstaltung für alle, die sich für das Dorfleben interessieren und erst recht für jene, die für irgendetwas kandidieren und sowieso für alle, die einfach mit ihrer Anwesenheit den Machern einer lokalen Vorfasnachtveranstaltung Respekt und Anerkennung zeigen wollen. Gestern war es wieder soweit. Wie immer mit der Ouvertüre durch Pete Cool, diesmal als “Alt Billetör Lungo Bacho” und zusammen mit den “Gerematte-Schleger” der Musigschuel. Er macht die Tramentgleisung in Münchenstein zum Thema:

“Was meint ihr- macht bei uns der Kluge?
Genau: Der Kluge reist im Zuge!
Und manchmal reist er auch im Trame!
Nur: z’Münggeschtei entleist’s halt ame
Solch ein Ereignis macht noch kluger
die hübsche Frau vum Beat Pfluger:
Dr Wagefierer suecht in nöggschter Nöchi
d’Begegnig mit ere uff Augehöchi
Är ratteret diräggt vor d’Kuchischiibe
und schtoppt denn dört und säit: “Do will i bliibe”!
Henu, so wüsse-mer’s jetzt nämli
wurum’s nümm fahrt, das cheibe Drämmli
Ä Chauffeur, wo sich fokussiert uf d’ Fraue,
cha schnäll emol e-n- Unfall baue!”

Im Rahmestüggli macht sich die neu gewählte ”Frau Gmeinirötene” Huldi der “Weisch-no-früener-Partei” mit ihrem Mann Luuudi hinter die Gemeinderats-Akten im Gemeindehaus. Dabei geht es u.a. um die Prüfung eines Antrags der Frischluft für ein neues Kommunalfahrzeug, das Brotresten einsammelt, um dann für die Dezember-Gemeindeversammlung nachhaltige Grätimannen backen zu können. Oder die GLP, die ein Buch für die Gemeindebibliothek kaufen will: “Der Mann, das unbekannte Wesen”, eine Anspielung auf die Gemeinderatskandidatur der GLP.

Dr Helgeloss widmet dem neuen Saal gleich mehrere Verse, wobei hier noch zu erwähnen ist, dass der Saal mit 600 Plätzen heute Abend – vorsichtig gesagt – nicht bis auf den letzten Platz ausgebucht gewesen wäre:

“Was meine Sie, wie mir das guet duet gfalle?
Me redt jetz wieder vo nere neue Halle.
Dass es vorwärts goht, das stimmt au mi so froh,
jetz hoffi s’isch de nach de Wahle au no so”.

Im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen meint dr Helgelos:

“Im Grund gnoh ischs mir völlig schnorz,
ob me mit Proport wählt, oder mit Majorz,
doch mit Majorz, do duets mir jetze schyne,
i dänk es chömme öbbe fünf neui yne.

Eine der Neuen fühlt sich schon so gut wie drin – Anet Spengler hat auf jeden Fall schon mal ganz selbstverständlch am Gemeinderatstisch Platz genommen, während andere etwas wehmütig feststellten, dass sie vielleicht zum letzten mal dort sitzen. Dr Helgeloos baute auch noch ein paar wohlgewählte Insider ein, z.B. die Bemerkung, dass er jetzt noch “in eigener Regie” etwas zum weiteren Fasnachtsprogramm sagen möchte – ein feiner Verweis auf den Wochenblatt-Artikel von Gemeinderat Martin Kohler, mit dem er kürzlich verkündete, halb Arlesheim alleine gebaut zu haben, was bei Verwaltung und Parteien für schmunzelndes Augenrollen sorgte.

Das Publikum war zufrieden mit der Cabarettli-Ausgabe 2012. Das Programm wurde als vielfältig und kurzweilig beurteilt (Bängg, Cliquen, Gugge, Rahmestüggli), auf einem durchgehend hohen Niveau, aber ohne den ganz grossen Abräumer, dafür auch ohne Ausreisser nach unten. Das Applausometer schlug beim Billetör Longus Bachus, beim Heimweharleser Dissy und natürlich bei den Eremitage-Schränzern am höchsten aus.

Und hier noch für die Agenda:

Nach dem Kinderumzug vom kommenden Freitag, 17.2.2012 gibt es im Neuen Theater am Bahnhof im Exil am Stollenrain eine Fasnachtsveranstaltung mit Bängg und Cliquen etc.

Und am 2.2.2013 trifft man sich wieder in der Domplatzturnhalle. Da geht man hin.

Wohnen und Leben statt Verwalten am Domplatz

7 Feb

Macht es eigentlich Sinn, die schönsten und historisch wertvollsten Gebäude mit Verwaltungsstellen vollzustopfen? Diese Frage hat man in Basel beantwortet und z.B. am Münsterplatz die Ent-Administrierung eingeleitet.

Das sollte auch am Domplatz in Arlesheim passieren. Dort betreibt der Kanton nämlich in den zu den Baselbieter Kulturdenkmälern zählenden Domherrenhäuser eine ganze Reihe von Verwaltungszweigstellen. Und ein Ende ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Das Entlastungspaket sieht eine weitere Verwaltungskonzenration in Arlesheim vor.

Das soll nicht sein, findet die FDP Arlesheim, die sich für die Schaffung von attraktivem Wohn- und Geschäftsraum am Domplatz einsetzt.

Die kantonale Verwaltung gehört einfach nicht an diesen schönen Platz, sondern sinnvollerweise in die Nähe der Verkehrsdrehscheibe Arlesheim-Dornach, wo auch die Erschliessung mit dem öffentlichen und privaten Verkehr optimal gewährleistet ist. Deshalb werden Gemeinderat und Kanton nun aufgefordert, über Alternativstandorte zu verhandeln.

Die FDP hat mal vorgerechnet, dass der Kanton die Domherrenhäuser verkaufen und z.B. auf der Hundewiese (neben dem Tal-Kreisel) ein ordentliches Bürogebäude bauen könnte. Das würde sich für den Kanton locker rechnen, wenn man bedenkt, dass er sich damit auch die Renovationskosten am Domplatz spart. Win win also, oder – wie man in Arlesheim zu sagen pflegt – triple win.

Sieht so ein kantonales Verwaltungszentrum aus? Domplatz in Arlesheim. (Bild: Roland Zumbühl @Wikimedia Commons/Wiki Loves Monuments 2011)

Sieht so ein kantonales Verwaltungszentrum aus? Domplatz in Arlesheim. (Bild: Roland Zumbühl @Wikimedia Commons/Wiki Loves Monuments 2011)

Unser Saal kommt – aber nicht als Wahlkampfthema

31 Jan

Der Kultursaal ist in Arlesheim ein heisses Thema und damit Chefsache. Deshalb war es auch Gemeindepreesi Kalle Zeller, der gestern Abend den Arlesheimer Vereinen die Strategie des Gemeinderates für die Befriedigung ihres Raumbedarfs präsentierte.

Die Eckpunkte: Das Projekt eines Mehrzweckgebäudes am Domplatz wird nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen konzentriert man sich auf einen Saal: “Unser Saal”, der entweder am Stollenrain (ex. Wochenblatt) oder an der Ermitagestrasse 2 (alte Post) zu stehen kommen soll, wobei die Variante Stollenrain klar im Vorteil ist, weil dort die Verkehrsanbindung, die Einbindung in weitere Planungsprojekte sowie die Begleitnutzung mit Wohnungen und Geschäften besser ist. 

“Unser Saal” soll bei Konzertbestuhlung bis zu 600 Personen aufnehmen können. Und kosten soll das Projekt rund sechs Millionen Franken.

Für diese Strategie geht zunächst einmal der Daumen hoch. Die Standorte sind schlau gewählt und die Dimension erscheint vernünftig. Und vor allem macht die Abkehr vom Mehrzweckbau Sinn, weil - wie frühere Projekte gezeigt haben – die eierlegende Wollmilchsau einfach nicht gezüchtet werden kann.

Wobei: Mehr als eine vage Absichtserklärung ist das nicht, was da gestern präsentiert wurde. Von einer konkreten Planung ist man noch weit entfernt und auch die fraglichen Grundstücke gehören noch nicht der Gemeinde. Zudem fehlt ein Gesamtkonzept, das aufzeigt, wie der Gemeinderat diejenigen Bedürfnisse der Vereine und der Schulen, die nicht in “unserem Saal” Platz haben, realisieren und vor allem finanzieren will. Insofern können auch die sechs Millionen noch nicht kommentiert werden.

Bleibt also die Frage, weshalb der Gemeinderat diese noch sehr allgemein gehaltenen Ideen so breit und vor allem schon jetzt kommuniziert, ist man doch vom Domplatz eher gewohnt, dass er Projekte erst dann präsentiert, wenn sie bereits den Umsetzungsstatus erreicht haben oder schon reif sind für die Gemeindeversammlung.

Eine Erklärung ist sicher, dass man ein solches Projekt nicht im Geheimen aushandeln kann. Zudem will man sich auf keinen Fall die Finger verbrennen und setzt deshalb auf eine frühzeitige und zielgruppengerechte Kommunikation.  

Zur guten Kommunikation gehört übrigens auch der Titel: “Unser Saal”. Damit wird klargestellt, dass da nicht der Saal der IGVA geplant wird, die – flankiert von der CVP – eine sehr pointierte und nicht überall goutierte Anspruchshaltung an den Tag gelegt hat. “Unser Saal”, das ist zunächst der Saal resp. das Projekt des Gemeinderats, den oder das man – so wird suggeriert – nicht auf Druck einiger Vereine, sondern aus eigenem Antrieb vorantreibt (wobei man da noch darauf hinweisen muss, dass mindestens drei der heute sieben Mitglieder nach den Wahlen nicht mehr zum “unser”-Kollektiv gehören werden). “Unser Saal” ist aber vor allem auch der Saal für ALLE Arlesheimerinnen und Arlesheimer, auch derjenigen, die nicht so laut bellen.

Und dann gibt es noch einen weiteren Aspekt: Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Strategie zu einem derart heissen Eisen erfolgt nicht zufällig, schon gar nicht so kurz vor den Gemeindewahlen.  Fakt ist, dass der Gemeindepräsident gestern Abend den Kultursaal als Wahlkampfthema kurzerhand neutralisiert hat. Das dürfte vor allem die CVP ärgern, die in ihrem Wahlkampf voll auf die Vereinssaal-Karte setzt. Nun gibt es aber seit heute nichts mehr zu fordern und das im Raum stehende Projekt ist noch so vage, dass es weder hochgejubelt noch abgeschossen werden kann.

Gemeinderatswahlen: Die Ausgangslage

30 Jan

Jetzt machen sie wieder Wahlkampf, die Arlesheimer Dorfparteien. Die einen ein bisschen mehr, die anderen etwas weniger und noch andere gar nicht. Interessant ist vor allem die Ausmarchung um die Gemeinderatssitze, weil diese zum ersten mal im Majorz-System vergeben werden.

Für alle, die noch nicht die Übersicht haben: Es geht um sieben Sitze, wovon die FDP bisher drei, die Frischluft zwei und SP und CVP je einen Sitz haben.

Die FDP  schickt drei Kandidaten ins Rennen (Toni Fritschi (bisher), Markus Eigenmann und Lukas Stückelberger), die Frischluft ebenfalls (Kalle Zeller (bisher), Daniel Wyss (bisher) und Ursula Laager), die CVP zwei (Steffi Kink und Martin Kohler (bisher) und die SP kommt mit Anet Spengler.

Im Grunde genommen sind es nur zwei Fragen, die wirklich interessieren:

  • Erstens: Wer von den beiden grossen Parteien holt drei Sitze: Frischluft oder FDP? Oder beide? Und was dann?
  • Und zweitens: Wer von der CVP macht den Sitz?

Die zweite Frage ist deshalb spannend, weil die CVP im neuen Majorzverfahren die riskanteste Strategie fährt. Dies im Gegensatz zu den anderen Parteien:

  • Die FDP muss drei Kandidaten bringen, weil sie drei Sitze verteidigen will. Einen vierten Sitz anzustreben wäre etwas vermessen.
  • Die Frischluft muss ebenfalls drei bringen, weil sie zwei Bisherige fast auf sicher hat und einen Dritten möchte. Man kann’s ja mal versuchen.
  • Die SP ist sich bewusst, dass ein Sitz derzeit aufgrund der personellen Situation realistisch ist. Deshalb versucht man es gar nicht mit zwei und riskiert damit auch keine sog. “Majorz-Kanibalisierung”. Damit gilt Anet Spengler als gewählt.
  • Und jetzt eben die CVP, die gerne zwei Sitze hätte und das offensichtlich auch als realistisch ansieht. Nur so ist zu erklären, dass man dem bisherigen Martin Kohler mit Steffi Kink einen sehr populären Majorz-Kandidaten zur Seite stellt, und damit riskiert, dass dieser den Bisherigen auch gleich beerbt.

PS1: Nein ich habe sie nicht vergessen, aber – bei aller Freundschaft – sie dürften zumindest bei den Gemeinderatswahlen keine Rolle spielen: Die Grünliberalen, die ebenfalls antreten müssen. Jakob Rohrbach übernimmt tapfer diese Pflicht Aufgabe.

PS2: Ja, es gibt auch eine SVP im Domdorf. Diese besteht allerdings praktisch ausschliesslich aus dem Landrat und Gemeindekommissionspräsidenten Peter Brodbeck, der – als Kaderangestellter des Kantons – nicht als Gemeinderat kandidieren kann. Die übrigen Parteien wünschen ihm noch ein langes Berufsleben im Dienst des Kantons, weil er durchaus intakte Chancen hätte in einer Volkswahl.

Das leisten wir uns (II)

26 Jan

Das scheint ja ein Wespennest zu sein, in das ich da gestochen habe.

Die Ergebnisse des Sozialhilfe-Benchmarks geben zu reden. Auch am Domplatz, wo man ja noch nie Blogs gelesen hat und sicher auch nur rein zufällig auf diesen Beitrag gestossen ist. Und rein zufällig und beiläufig hat es sich dann auch ergeben, dass ich heute Nachmittag zu hören bekam, dass die von der bz veröffentlichten und von mir kommentierten Zahlen zwar stimmen, aber natürlich ein völlig falsches Bild zeichnen würden.

Da das offenbar ein hochsensibles Thema ist, soll hier – soviel Fairness muss sein – die Gelegenheit geboten werden für die Darstellung aus Sicht der Gemeinde. Keine Gegendarstellung also, sondern eine darstellende Entgegnung.

Also, es stimmt zwar schon, dass Arlesheim die höchsten Personalkosten pro Fall aufweist. Aber damit hat es sich noch nicht. Die Gemeinde verweist auf ein anderes, aus ihrer Sicht viel wichtigeres Ergebnis aus diesem nicht öffentlichen Benchmark: Den netto-Aufwand pro Sozialfall. Das also, was die Gemeinde unter dem Strich tatsächlich aufwendet für die Betreuung eines Falles, einschliesslich Rückerstattungen. Da liegt Arlesheim auf Rang 2 auf einer Negativliste, gibt als0 am zweitwenigsten aus.

Arlesheim investiert also bewusst sehr viel Manpower in die Betreuung von Sozialfällen, um die Sozialhilfekosten tief zu halten. Zum Beispiel, in dem der Betreuer bemerkt, dass eine Person Stipendien oder sonstige Leistungen beziehen könnte, was bei einer weniger engen Betreuung gerne vergessen geht. Oder aber indem die Dauer des Sozialhilfebezugs kürzer gehalten werden kann. In diesem Zusammenhang ist man besonders stolz auf die höchste Quote der Rückführungen in den Arbeitsmarkt innerhalb des Benchmarks.

Ende Zitat.

Das leisten wir uns (I)

24 Jan

Es ist ja nichts Neues: Wenn das Domdorf etwas baut oder kauft, dann bitteschön gleich richtig. Man braucht dazu nur einen Blick auf das neue Schulhaus, den neuen Werkhof oder auch die neuen Sitzgelegenheiten zu werfen, die rund drei mal teurer sind als in einer 08/15-Gemeinde.

In Arlesheim ist einfach alles teurer. Aktuelles Beispiel: Die Sozialhilfe.

Der Vergleich der Sozialhilfe-Kennzahlen (vgl. bz-Printausgabe vom 24.1.2012) verschiedener Gemeinden aus der Region zeigt, dass Arlesheim bei den Personalkosten pro Fall an der Spitze liegt mit 2’673 Franken. Zum Vergleich: Die Reinacher schaffen es mit 1’484 Franken pro Fall.

Natürlich wird man jetzt einwenden, dass im grösseren Reinach die Skalenefekte spielen. Mag sein. Aber wenn dem so ist, dann ist es auch nur logisch und sogar dringend notwendig, die Sozialhilfe mit Reinach zusammenzulegen. Oder gleich mit der ganzen Birsstadt.

Ein anderer Vegleichswert ist die Anzahl Fälle pro Mitarbeiter der Sozialhilfe. Dazu gibt es gemäss “Good Practice”-Empfehlungen der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe sogenannte Erfahrungswerte: 80-100 Fälle pro Mitarbeiter gelten als angemessen. In Basel sind es derzeit 130-140 Fälle. In Allschwil sind es gemäss Gemeinden-Benchmark 51 Fälle.

Und in Arlesheim sind es 23 Fälle pro Mitarbeiter.

Nun kommt auch hier der Einwand, dass man diese Zahlen nicht einfach so vergleichen kann, weil die Sozialhilfebehörden der verschiedenen Gemeinden unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen und z.B. auch ein Case Management betreiben oder vormundschaftliche Aufgaben übernehmen. Auch das mag sein. Aber so gross kann der Unterschied trotzdem nicht sein.

Es bleibt aufgrund dieser Zahlen der Eindruck, dass die Sozialhilfe  in Arlesheim overstaffed ist nicht gerade über knappe personelle Resourcen verfügt. Und das wird offenbar nicht hinterfragt, sondern soll auch so bleiben: Arlesheim sucht einen Sozialarbeiter.

Das leistet man sich halt eben. Im Domdorf.

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