
Arleser Wahlwerbung 2012. Rechts im Bild die Wahlanleitungen von CVP und FDP im Direktvergleich. Es kommt halt immer darauf an, was man seinen Wählern zutraut.
In den nächten Tagen flattern die Wahlunterlagen der Dorfparteien ins Haus (die natürlich wie immer ganz harmonisch gemeinsam verpackt wurden). Ein erster Blick auf die Prospekte und Flyer zeigt, dass die Parteien einen ziemlichen Aufwand betrieben haben, um sich in bestem Licht zu präsentieren, oder eben so, wie sie das für gut halten.
Insgesamt ein eher guter Jahrgang also, rein optisch betrachtet.
Die SVP fällt etwas aus dem Rahmen mit einem sehr schlichten, aber bewährten und sofort erkennbaren Konzept und lediglich zwei Gemeindekommissionkandidaten. Dafür liefern sie ein Wahlprogramm, das die restlichen Parteien auch gleich mitunterzeichnen könnten: Man ist natürlich für ein attraktives Arlesheim, für die Jugend, für Familien, für ältere Menschen, für weniger Abgaben und sogar für nachhaltiges Handeln zugunsten der Umwelt und für den Erhalt der Grünflächen. Ja, im Wohlfühl-Biotop Arlesheim ergrünt sogar die SVP.
Gleich mit zwei Flyern steigen die Grünliberalen ins Rennen, die zum ersten mal an kommunalen Wahlen teilnehmen. Ihr Spitzenkandidat ist Jakob Rohrbach, der sich auf dem Bild ganz stachelig unrasiert zeigt. In natura agiert er aber ganz kuschelig, in dem er sich im Wochenblatt für seine Kandidatur quasi entschuldigt und erklärt, dass seine Teilnahme an den Wahlen also auf keinen Fall gegen jemanden gerichtet sei. Aber man könne ja auch mal ihn wählen, ohne deswegen jemanden anderes weniger lieb zu haben. Da dürfte er die Ellbogen durchaus noch etwas rausfahren, andere haben sie auch schon weit draussen. Dafür dürfen die Grünliberalen für sich in Anspruch nehmen, dass die gesamte Parteibasis für die Gemeindekommission kandidiert: Es sind fünf Kandidatinnen und Kandidaten aufgeführt. Bemerkenswert: Im GLP-Flyer kommt das Wort Arlesheim total drei mal vor, davon zwei mal in der Adresszeile.
Und dann die CVP: Sie kommen mit einem kontrovers diskutierten, aber autentischen Portrait der Gemeinderatskandidaten und liefern statt einem Parteiprogramm die wohl längste je geschriebene Wahlanleitung (meine Lieblingsstelle: “bewahren Sie unsere Wahlinformationen auf, bis Sie gewählt haben”. Ja, in der heutigen Zeit vergisst man eben schnell. Und überhaupt: Die CVP Wahlinformation kann man gut auch nach den Wahlen noch gebrauchen, als Staatskunde-Lehrmittel). Sie konnten 12 Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeindekommission auf die Liste prügeln motivieren, steigen dafür mit zwei Kandidaten in den Gemeinderats-Ring (Slogan “Nimm zwei”).
Die SP liefert den kleinsten Flyer, der eigentlich gut gemacht ist, bis auf das leider unscharfe Bild von Gemeinderatskandidatin Anet Spengler. Zudem ist es etwas suboptimal, wenn beim Wahlkampfthema “der rote Faden” eben dieser rote Faden nicht klar ersichtlich ist. Dafür gibt es einen roten Schirm. Die Kandidierenden glänzen mit konkreten Aus- und Ansagen. Zum Beispiel Severin Jufer, der zur Frage des neuen Vereinssaals zu Recht feststellt, dass “Kultur durch Menschen entsteht, die Ideen haben, nicht durch neue Prunkgebäude”. Die SP präsentiert übrigens die jüngste GeKo-Liste, was für die Nachwuchsarbeit der Genossen spricht. Am anderen Ende der Skala liegt die CVP, bei der das Thema Alter Programm zu sein scheint. Einer ihrer Gemeinderatskandidaten wurde kürzlich im Wochenblatt als Vertreter der old economy gefeiert, wobei auch der andere eine Art “old economy” betreibt.
Bleiben noch Frischluft und FDP, die als einzige je mit einer vollen 15er Liste für die Gemeindekommission und je drei Kandidierenden für den Gemeinderat antreten. Die beiden dominierenden Parteien führen den aufwändigsten Wahlkampf. Immerhin geht es um die Frage des Platzhirschs: Wer stellt die stärkste Vertretung im Gemeinderat (bisher FDP) und wer ist die wählerstärkste Partei (bisher Frischluft).
Der Prospekt der Frischluft ist wie immer schön gestaltet. Allerdings fällt auf, dass das Erscheinungsbild der Partei immer jünger wird, je älter ihre Kandidierenden werden. Die Frischluft hat die meisten Amtsjahre der Bisherigen auf dem Zähler und präsentiert damit eine frisch verpackte Sesselkleber-Liste. Weniger gut, weil gar nicht vorhanden, ist die Website der Frischluft. Die im Prospekt angegebene Site ist noch auf dem Stand von 2009. Dafür gibt einen notdürftig gebastelten Blog. Irgendwie ist da der Wurm drin. Immerhin präsentiert die Frischluft für die Gemeindekommission ein paar neue Gesichter.
Gleiches gilt für die FDP, die am meisten neue Kandidierenden im Angebot hat und die zweitjüngste Liste präsentiert. Das kann man – vor allem bei der Gemeinderatsliste – als mutig betrachten, ist aber vor allem ein Sinnbild für die Aufbruchstimmung in dieser Partei. Verschiedentlich wurde bedauert, dass die FDP keine Frau auf der Gemeinderatsliste hat. Das ist so. Als liberale Partei folgt die FDP aber keiner Frauenquote, sondern darf für sich in Anspruch nehmen, dass sie – seit ich denken kann – immer mit mindestens einer Frau im Gemeinderat vertreten war. Ganz im Gegensatz z.B. zur Frischluft, die es in 20 Jahren nicht geschafft hat, eine Frau in den Gemeinderat zu bringen.
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